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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

28. Aufweis der Geburt des Sohnes aus Gott und seiner Ankunft zu uns. Wer allein den Vater kennt, weil er von ihm her sein Dasein hat, der ist nicht erschaffen.

Und gewiß nicht weniger als die klare Sprache der väterlichen Bezeichnungsweise gibt der Sohn Zeugnis von sich selbst.

Wie nämlich darin, daß der Vater sagt: „Dieser ist mein Sohn”, der Aufweis des Wesens liegt, und man in dem, was er hinzufügte: „Diesen höret!”, das [S. 298] Glaubensgeheimnis vernimmt, dessetwegen er vom Himmel kam, da wir gemahnt werden, auf ihn wegen des heilbringenden Lehrbekenntnisses zu hören: so hat der Sohn dadurch die Tatsächlichkeit seiner Geburt und Ankunft gelehrt, daß er sagt: „Weder kennt ihr mich, noch auch wißt ihr, woher ich bin; denn nicht von mir bin ich ausgegangen; es ist vielmehr ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt; ich aber kenne ihn, da ich von ihm her mein Dasein habe und er mich gesandt hat.”1 Den Vater kennt niemand, das ist ein späterhin häufiges Bekenntnis des Sohnes.2 Er behauptet aber, daß er deswegen nur ihm bekannt sei, weil er von ihm sein Dasein habe.

Ich frage aber, ob dies, daß er von ihm her sein Dasein hat, auf ein Schöpfungswerk oder auf eine wesenhafte Zeugung hinweist. Wenn es ein Schöpfungswerk ist, dann hat auch alles Geschöpfliche von Gott her sein Dasein. Warum aber kennt denn nicht alles den Vater, da doch der Sohn ihn sehr wohl kennt, nur deswegen, weil er von ihm sein Dasein hat? Wenn er aber dem Anschein nach mehr erschaffen als geboren ist, sofern er sein Dasein von Gott hat: wie soll er nicht sehr wohl mit den übrigen Geschöpfen den Vater kennen, da doch alles von Gott stammt?

Wenn es ihm aber als Eigentümlichkeit zukommt, ihn deswegen zu kennen, weil er von ihm her sein Dasein hat, wie soll es ihm denn nicht eigentümlich sein, daß er von ihm her sein Dasein hat, daß er nämlich wahrer Sohn sei aus dem Wesen Gottes, da er allein doch Gott kennt, weil er allein von ihm sein Dasein hat?

Da hast du also die Eigentümlichkeit der Erkenntnis aus der Eigentümlichkeit der Zeugung (hergeleitet). Und in der Tatsache, daß er von ihm her sein Dasein hat, hast du in ihm nicht die Geltung als Geschöpf, [denn von ihm her hat alles sein Bestehen durch die Kraft der Erschaffung,3] sondern die Tatsächlichkeit der [S. 299] Geburt, durch die er als einziger den Vater kennt, da das andere, das doch auch von ihm stammt, ihn nicht kennt.

1: Joh. 7, 28 f.
2: Matth. 11, 27.
3: Vgl. Joh. 1, 3.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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