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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

25. Mit Recht nennt Christus Gott seinen Vater und sich seinen Sohn.

Niemand, glaube ich, ist des gesunden Sinnes so bar, daß, wenn er in allen Evangelienbüchern aus den Worten des Sohnes die Annahme körperlicher (menschlicher) Niedrigkeit erkennt, etwa wenn er sagt: „Vater, verherrliche mich”;1 und wiederum sehr oft: „Ihr werdet den Menschensohn sehen”;2 und dieses Wort: „Der Vater ist größer als ich”;3 aber auch dieses: „Jetzt ist mein Herz sehr verwirrt”;4 dieses sogar: „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”5 und vieles dieser Art, wovon gehörigen Ortes6 zu sprechen sein wird ― daß niemand also um dieser beharrlichen Bezeugung seiner Niedrigkeit willen ihn deswegen des Hochmutes bezichtigen könne, weil er Gott seinen Vater nennt, wenn er sagt: „Jede Pflanzung wird mit der Wurzel ausgerissen werden, die nicht mein Vater gepflanzt hat”;7 oder jenes Wort: „Das Haus meines Vaters habt ihr zu einem Handelshaus gemacht”;8 weil, wo immer er Gott seinen Vater nennt, es mehr tollkühne Anmaßung sei als Ausdruck eines seiner selbst vollbewußten Wesens, das um seine Geburt vollgültig weiß und deswegen in der Bezeichnung Vater einen wahren Namen erfaßt.

Die häufige Bekundung der Niedrigkeit hat also nicht dieses Vergehen der Anmaßung an sich, daß er Fremdes beanspruche, um andere Dinge sich kümmere und solches sich aneigne, was im eigentlichen Sinne (nur) Gott zukommt. Auch dieses nicht, daß er mit gleicher Tollkühnheit, wie er das Wort Vater spricht, sich selbst als Sohn bekenne: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in [S. 294] diese Welt gesandt, um die Welt zu richten, sondern um durch ihn die Welt gerettet werden zu lassen”;9 und wiederum: „Glaubst du an den Sohn Gottes?”10

Was tun wir jetzt, wenn wir Jesus Christus nur den Namen einer Kindschafts-annahme zugestehen? Damit beschuldigen wir ihn zugleich tollkühner Anmaßung, weil er Gott seinen Vater nennt. Die Stimme des Vaters spricht vom Himmel her: „Diesen höret!”11 Ich vernehme: „Vater, ich danke dir”;12 ich vernehme: „Ihr sagt, daß ich gelästert habe, weil ich gesagt habe, daß ich Gottes Sohn bin.”13 Wenn ich den Worten nicht glaube, wenn ich durch die Bezeichnungen das Wesen nicht erfasse, so frage ich, wie überhaupt man glauben und erkennen solle. Kein anderer Ausweg bleibt mir.

Des Vaters maßgebendes Wort vom Himmel her ist: „Das ist mein Sohn.” Das Selbstbekenntnis des Sohnes ist: „das Haus meines Vaters” und „mein Vater”. Das Heil beruht in dem Bekenntnis des Namens, da die Frage den Glauben fordert: „Glaubst du an den Sohn Gottes?”14 Die Bezeichnungen der Einzigartigkeit folgen nach, da, wo „mein” steht. An dich, Irrlehrer, richte ich die Frage, woher eine andere anmaßende Vermutung (möglich) sei. Du entziehst dem Vater die Glaubwürdigkeit, dem Sohn sein Wort, den Bezeichnungen ihren gemeinsamen Inhalt: Gewalt tust du Gottes Worten an, damit sie nicht bedeuten, was sie aussagen. Allein die Frechheit deines Unglaubens ist es, die Gott der Lüge in seinem Selbstzeugnis zeiht.

1: Joh. 17, 5.
2: Matth. 26, 64.
3: Joh. 14, 28.
4: Joh. 12, 27.
5: Matth. 27, 46.
6: Buch 10.
7: Matth. 15, 13.
8: Joh. 2, 16.
9: Joh. 3, 17.
10: Joh. 9, 35.
11: Matth. 17, 5.
12: Joh. 11, 41.
13: Joh. 10, 36.
14: Joh. 9, 35.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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