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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

23. Das Zeugnis des Vaters, daß er nicht angenommener, sondern eigentlicher Sohn ist.

[S. 290] Ich entweihe nicht den Glauben an die Wahrheit durch die Absicht, dies mit meinen Worten darzulegen.

Wie der Vater es oft beliebte, so möge er von seinem Eingeborenen sprechen, damit nicht Jesus Christus beim Vollzug des Geheimnisses der Taufe um seines Leibes willen (als Gott) unerkannt bleibe: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe.”1 Ich frage: wodurch wird die Wahrheit zuschanden, und wodurch erweist sich das Bekenntnis des Glaubens als schwach? Nicht daß der vom Engel Verkündete vom Hl. Geist aus der Jungfrau geboren wird, nicht der Führerstern der Magier, nicht die Ehre der Anbetung dessen, der in Windeln lag, nicht die Macht dessen, der trotz des Bekenntnisses des Johannes2 die Taufe fordert, werden für genügend erachtet, um seine Erhabenheit nachzuweisen: der Vater spricht vom Himmel her, und so spricht er: „Dieser ist mein Sohn.”

Was will die bewußte Anwendung nicht der Beinamen, sondern der hinweisenden Fürwörter? Beinamen werden nämlich den Namen hinzugefügt, Fürwörter haben aber die Geltung der Namen in sich. Es ist aber eine Hervorhebung einer Eigentümlichkeit, wo man das Wort vernimmt, sowohl „dieser ist”, als auch „er ist mein”. Merke genau auf Inhalt und Sinn der Worte! Du hattest gelesen: „Söhne habe ich gezeugt und erhöht;”3 du hattest aber nicht gelesen: „meine Söhne”; denn er hatte sie sich durch die Teilung der Völker gezeugt und das erwählte Volk zu Söhnen erkoren.

Damit man also nicht wegen der Gemeinsamkeit der Erbschaft auf Grund der Kindschafts-annahme dem [S. 291] eingeborenen Gott den Beinamen Sohn gebe, darum ist die wahre Wirklichkeit des Wesens durch die Bezeichnung der Eigentümlichkeit aufgewiesen worden. Gewiß schon mag diese Bezeichnung der Sohnschaft ein Gemeinsames (mit anderen) in Christus bedeuten, wenn man von irgend jemandem anderen ausgesagt fände: „dies ist mein Sohn”. Wenn es ihm aber eigentümlich und ganz einzig zukommt: „das ist mein Sohn”, inwiefern tun wir Gott Vater durch das Bekenntnis der Einzigartigkeit des Sohnes eine Schmach an? Oder scheint dir nicht mit dem Ausdruck „dieser ist” gerade dieses bezeichnet zu werden: andere habe ich zwar mit Rücksicht auf ihn als Söhne zubenannt, aber dieser ist mein Sohn; sehr vielen habe ich die Bezeichnung der Kindschafts-annahme geschenkt, aber dieser ist mein Sohn? Und zwar deswegen, damit du nicht nach einem anderen fragest, um dem Glauben zu entgehen, daß dieser es sei; auf diesen habe ich sozusagen den Zeigefinger zugleich mit der ausdrücklichen Bezeichnung gelegt, der gemäß ich sage: er ist mein, und auch: dieser ist, und ebenso: Sohn ist er.

Was an Deutung kann es danach überhaupt noch geben, um dem Glauben zu entgehen, daß er es nicht sei? Das also ist die Kundgabe durch das Wort des Vaters, damit nicht das Wesen dessen unerkannt bliebe, der zur Erfüllung jeglicher Gerechtigkeit4 getauft werden mußte; damit vielmehr derjenige auf Gottes Stimme hin als Gottes Sohn erkannt werde, der wegen des Geheimnisses unseres Heiles als Mensch sichtbar war.

1: Matth. 3, 17.
2: Johannes: „Ich muß von dir getauft werden, und du kommst zu mir?” Matth. 3, 14.
3: Is. 1, 2.
4: Matth. 3, 15.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger