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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

16. Sofern der Sohn aus Gott ist, ist er weder derselbe wie der Vater, noch etwas anderes, noch auch aus Nichts.

(Das) habt ihr behauptet, ihr Toren, und behauptet dasselbe auch heute noch; ihr vermögt es nicht, euer Denken zu Gott zu erheben, (wenn ihr euch auf die Worte beruft): denn wenn man das „Aus ihm” und das „Aus dem Schoß” und das „Vom Vater bin ich ausgegangen und gekommen”.1

Ich frage dich: ist dies alles von Gott gesagt, oder ist es nicht (von ihm) gesagt? Ganz gewiß ist es von ihm gesagt, und, eben weil es von Gott über sich selbst ausgesagt ist, darf man es notwendigerweise nicht anders auslegen, als es gesagt ist. Über diese Worte (insgesamt) werden wir gehörigen Ortes handeln, nachdem wir die Beweiskraft jedes einzelnen dargelegt haben.

Vorläufig befrage ich die Auffassung eines jeden (beliebigen Menschen), was er darunter verstehe, wenn es heißt: „Aus ihm”; ob es zu verstehen sei als (Hinweis auf den Ursprung) aus einem anderen oder aus keinem, oder ob gar er selbst2 damit gemeint sei. Aus einem [S. 282] anderen her hat er nicht sein Dasein; denn „aus ihm” ist er, d. h., daß er von nirgendwo anders her als nur aus Gott Gott ist. Aus dem Nichts heraus hat er nicht sein Dasein: denn er ist „aus ihm”; es wird das Wesen (als da-seiend) aufgezeigt, von dem her die Geburt sich vollzieht. Er selbst ist es nicht: denn wo er „aus ihm” ist, da wird die Geburt des Sohnes als solche dargelegt, die aus dem Vater erfolgt.

Ferner: wenn die Bezeichnung „aus dem Schoß” gebraucht wird, so frage ich, ob man glauben könne, er sei aus dem Nichts geboren, da die Tatsache der Geburt durch Bezeichnungen körperhafter Wirkungsweisen geoffenbart wird. Denn Gott, der nicht aus körperhaften Gliedmaßen besteht, hat (zwar) folgende Worte gebraucht, als er die Zeugung des Sohnes kundtat: „Aus dem Schoß habe ich dich vor dem Morgenstern gezeugt.”3 Indem er jene unsagbare Geburt des eingeborenen Sohnes aus sich, aus der Tatsächlichkeit seines Wesens heraus, bezeugte, hat er aber zum erkennenden Glauben gesprochen, um die Denkweise menschlicher Eigenart, unter Rücksichtnahme auf Menschenart, zum Wissen des Glaubens über seine göttlichen Eigenschaften und Beziehungen zu erziehen; um mit den Worten „aus dem Schoß” zu lehren, daß nicht eine Schöpfung aus dem Nichts heraus, sondern daß ― im wahren Wortsinn ― eine Geburt des Sohnes aus ihm (dem Vater) heraus vollzogen worden sei.

Wenn er zuletzt sagt: „Vom Vater bin ich ausgegangen und gekommen”,4 hat er damit noch einen Zweifel an der geforderten Erkenntnis gelassen, daß er nicht von anderswoher als nur vom Vater aus sei, was er als Gott ist? Denn durch seinen Ausgang vom Vater hat er weder ein anderes Wesen (als das des Vaters) durch seine Geburt empfangen, noch auch überhaupt keines; vielmehr bezeugt er denjenigen als seinen Ursprung, von dem er lehrt, seinen Ausgang genommen zu haben.

[S. 283] Doch über diesen Nachweis und diese Deutung werde ich später noch sprechen.5

1: Der Satz bricht ab; vgl. Kap. 6.
2: der Vater.
3: Ps. 109, 3 [hebr. Ps. 110, 3].
4: Joh. 16, 28.
5: Kap. 30―35.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger