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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

14. Die Künstlichkeit, mit der sie die Geburt des Sohnes aus dem Nichts kennzeichnen.

[S. 279] Nach dem Vielen endlich, das er sich sozusagen als Zugang dazu hergerichtet hat, bricht er mit seiner Behauptung hervor: der Sohn sei vielmehr außerhalb der Zeit geboren und vor allem Zeitablauf erschaffen und gegründet; und vor seiner Geburt habe er kein Dasein gehabt.

Die Lehre des Irrlehrers hat sich, so wie er glaubt, darauf vorbereitet, einerseits seiner Falschgläubigkeit (scheinbar) Bekräftigung zu geben, anderseits seine Schmähung zu entlasten, wenn man den Fragepunkt genau herausschäle; sagt er doch: er war nicht, bevor er geboren wurde. Sein Ziel war, das wesensmäßige Dasein eines immer-seienden Ursprungs1 durch die Behauptung zu leugnen, daß (der Sohn) kein Dasein hatte, ehe er geboren wurde, und aus dem Nichts heraus sein Dasein herleite derjenige, dem vor seiner Geburt Macht und Würde eigenen Seins nicht gegeben wurde. Wenn man ferner dieses Wort für widergläubig hielt, sollte ihm eine handliche Ausrede bereitstehen, da doch nicht geboren werden konnte, wer schon Dasein hatte; und auch derjenige, der schon bestand, hätte keinen Grund gehabt, um dessetwillen er sein Dasein gewinnen sollte, da doch die Geburt auf das abziele, daß derjenige beständiges Sein gewinne, der geboren werden solle.

Du Tor und Ungläubiger, wer darf bei demjenigen eine Geburt erwarten, der ohne Geburt sein Bestehen hat? Oder in welchem Sinne darf man glauben, derjenige, der ist, werde geboren, da ja die Geburt das Eigentliche des Geboren-werdens ist? Aber mit Hinterlist strebst du darauf hin, die Geburt des eingeborenen Gottes aus Gott-Vater zu leugnen, und du hast dich herausreden wollen durch das: „er hatte kein Dasein, [S. 280] ehe er geboren wurde”; denn derselbe Gott, aus dem Gottes Sohn geboren wurde, hatte (schon) sein Dasein, und Gottes wesenhaftes Sein blieb bestehen, aus dem Gottes Sohn durch die Geburt sein Bestehen gewann.

Wenn er also aus Gott geboren ist, so muß man die Geburt aus einem Wesen lehren, das Dauer hat,2 und zwar nicht, daß derjenige Gott geboren werde, der schon Dasein hatte,3 sondern damit man die Geburt Gottes aus demjenigen Gott erkenne, der schon Dasein hatte.

1: Gemeint ist: ewiges Dasein.
2: ewig ist.
3: also nicht Gott-Vater, wie Sabellius behauptet.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger