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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Sechstes Buch

13. Die für strittig gehaltene Geburt Gottes aus Gott wird nachgewiesen.

Welch irrlehrerisch-verschlagene und schlaue Behauptung aber ist vollends in dem enthalten, daß man sagt: „noch auch ist derjenige, der vorher Dasein hatte, nachher geboren oder erschaffen und mit Sohneseigenschaft überkleidet worden”.

Der aus Gott geborene Gott entstammt ganz gewiß nicht aus dem Nichts, noch auch ist er aus dem Nicht-sein geboren; er hat vielmehr ein lebensmächtiges Wesen (als den Ursprung) für seine Geburt. Auch ist nicht derjenige Gott, der schon Dasein hatte, sondern ein (anderer) als Gott aus dem Gott geboren worden, der schon Dasein hatte; und der Geborene empfing die Eigentümlichkeit seines Ursprungs eben durch die Geburt selbst.

Wenn wir aus eigenem (Wissen) sprechen, sind wir unerträglich anmaßend; wenn wir dagegen von Gott selbst zum Sprechen belehrt zu sein werden erweisen können, dann müssen wir die Geburt Gottes nach der Lehre Gottes vertreten.

Um also diese Einheit des Wesens in Vater und Sohn und dieses unsagbare Geheimnis machtvoll-lebendiger Geburt auszumerzen, behauptet irrlehrerischer Wahn: [S. 278] „nicht sei derjenige, der schon vorher Dasein hatte, nachher geboren oder erschaffen und mit Sohneseigenschaft überkleidet worden”.

Denn wer wird so wahnwitzig sein, zu glauben, daß der Vater sich selbst aufgegeben habe; daß derselbe, der schon Dasein hatte, späterhin geboren oder mit Sohneseigenschaft überkleidet wurde; und daß es eine (Selbst)- vernichtung Gottes gebe, (derart), daß auf die Vernichtung eine Geburt folge, da doch die Geburt das Fortdauern ihres Urhebers ausdrücklich bekräftigt? Oder wer ist so geistverlassen, daß er gestehen möchte, der Sohn habe auf andere Weise als durch die Geburt sein Dasein gewonnen? Wer ist ferner so verkehrt in seinem Herzen, daß er zu lehren wagte, Gott (-Sohn) habe deswegen (zu einer Zeit einmal) kein Dasein gehabt, weil er als Gott geboren wurde?

Denn nicht derjenige, der als Gott fortdauerte, sondern aus dem Gott, der sein Dasein beibehielt, ist Gott (-Sohn) geboren worden, der das Wesen dessen, der zeugte, durch die Geburt des Wesens erlangte und behielt.

Der Sohn Gottes aber, der als Gott aus Gott heraus Dasein gewann, ist durch den tatsächlichen Vollzug des Geboren-werdens nicht in den Besitz von etwas gelangt, das (noch) nicht da war, sondern dessen, was als Gottes Eigentum blieb und bleibt. Nicht derjenige also ist geboren worden, der schon Dasein hatte, sondern aus dem und in dem, was Gottes war, hat Gott durch die Geburt sein Dasein gewonnen.

Also diese ganze vorher genannte Sprechweise des irrlehrerischen Truges hat sich diesen Weg zu seiner völlig falschgläubigen Lehre gebahnt: daß sie, um den eingeborenen Gott leugnen zu können, zuerst die vermeintliche Vernunfteinsicht in die Wahrheit vorausschickte und dann lehrte, er sei eher aus dem Nichts heraus als aus Gott geboren worden, indem sie seine Geburt auf den Schöpfungswillen bezog, der aus dem Nicht-sein heraus schafft.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger