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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Fünftes Buch

1. Es ist gefahrvoll, den Irrlehrern beizupflichten oder ihnen zu widerstreiten, die nur einen Gott lehren.

[S. 217] Wenn wir es unternommen haben, in den vorhergehenden Büchern den ehrfurchtslosen und unsinnigen Aufstellungen der Irrlehrer Rede und Antwort zu stehen, so haben wir wohl gewußt, in welche Zwangslage des Widerlegens wir geführt waren: daß nämlich unsere Antwort denjenigen, die auf uns hören, weniger Gefahr verursache als unser Schweigen. Denn da die ungläubige Behauptung in unheiliger Weise den Glauben an nur einen Gott aufzudrängen suchte, und da hinwiederum gesunder Glaube die Einheit Gottes in rechter Weise nicht abstreiten konnte, so konnte die Abhandlung über dasjenige nicht ohne das Bewußtsein für die doppelte Gefahr geschrieben werden, was man nicht weniger ehrfurchtslos zu beweisen als abzustreiten versucht.

Man könnte es für die Untersuchung des menschlichen Erkennens als ungeeignet und widervernünftig ansehen: daß ebenso ehrfurchtslos für die Verteidigung sei, was ehrfurchtslos für die Leugnung ist; denn Rechtgläubigkeit des Bekenntnisses verurteilt die Falschgläubigkeit der Leugnung; und der Vernunft steht es nicht wohl an, dasjenige mit Nutzen zu behaupten, was man mit Nutzen vernichten sollte. Doch zur Erfassung der göttlichen Weisheit ist das menschliche Erkenntnisvermögen unvermögend, und mit himmlischer Einsicht verglichen ist es töricht; deswegen versucht es nach der [S. 218] Maßgabe seiner Schwächen zu erkennen und nach Maßgabe der Schwachheit seines Wesens zu forschen. Töricht will es sich sein, um für Gott weise zu werden, damit es nämlich die Mangelhaftigkeit seines Erkennens erfasse und Gottes Weisheit beharrlich folge und so klug sei, (aber) nicht nach menschlicher Weisheit, wohl aber Weisheit gewinne, sofern sie zu Gott hinführt, indem es aus der Erkenntnis der Welt-torheit den Übergang zur Weisheit Gottes finde. Den Sinn dieser törichten Weisheit hat irrlehrerische Spitzfindigkeit als Anlaß zur Täuschung benutzt und nur einen Gott gelehrt, indem sie das Ansehen des Gesetzes und der Propheten sich zunutze machte: „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist nur einer.”1 Sie wußte sehr wohl, wie gefahrvoll darin das Sprechen wie das Schweigen sei, und erwartete von beiden willkommenen Anlaß zur Ungläubigkeit. Wenn die Unverletzlichkeit des ungläubig genommenen Wortes durch nachsichtige Schweigsamkeit bestärkt würde, so würde wegen der Einzigkeit Gottes der Sohn Gottes kein Gott sein, da Gott so, wie er ist, eben nur als einziger Dauer hat.2 Wenn dagegen Widerspruch gegen diese angemaßte gottlose Lehre aufträte, die Antwort nicht die Wahrheit des Glaubens der Evangelien wahren würde, indem sie nicht den nur-einen Gott lehrte, da doch die Lehre unseres Glaubens nur einen Gott kennt, so würde dann die Lehre in die andere Ungläubigkeit der Irrlehrer verfallen, die den einen Gott als Vater und Sohn bekennt.3

Und auf diese Weise würde die Weisheit der Welt, die vor Gott Torheit ist, unter dem Schein einer Schlichtheit, die (in Wirklichkeit) verführerisch und verderblich ist, ihr spöttisches Spiel treiben. Denn sie würde dies als Ausgang ihres Glaubens nehmen, worin wir entweder beipflichten oder widerstreben, ungläubig (aber in jedem Falle); so würde sie den gefährlichen Punkt von jeder [S. 219] Möglichkeit aus genau erreichen, daß (nämlich) Gottes Sohn nicht Gott sei, weil Gott nur einer ist; oder aber sie würde das Zwangsgeständnis zu einer Irrlehre erpressen, da wir die Meinung erwecken würden, nach des Sabellius gottloser Lehre nur einen Gott zu verkünden, wenn wir den Vater als Gott bekennen und ebenso auch den Sohn. So würde durch diese Fassung ihrer Lehre der eine Gott entweder einen anderen (als Gott) ausschließen, oder wegen des Daseins eines anderen würde er nicht der eine sein oder nur dem Namen nach einer sein; denn die Einheit würde einen anderen nicht kennen, und ein anderer würde nicht die Einzigkeit zulassen, und zwei würden nicht einer sein können.

1: Deut. 6, 4; Mark. 12, 29.
2: So die Arianer.
3: So Sabellius.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger