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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Fünftes Buch

37. Wie Gott aus Gott (sein Dasein habe) und gleiches Wesen besitze.

Wahres und fragloses und vollkommenes Geheimnis unseres Glaubens ist es, Gott aus Gott und Gott in Gott zu bekennen; nicht in körperhafter Weise, sondern in göttlicher Kraft; auch nicht durch Ergießung von [S. 259] Wesen in Wesen, sondern in dem Geheimnis und in der Vollgewalt des Wesens. Denn Gott ist er aus Gott nicht durch Abschneiden oder Ausweiten oder Ausfluß, sondern auf Grund der Kraft des Wesens hat er vermöge der Geburt sein Dasein als das genau gleiche Wesen. Den Sachverhalt selbst wird das folgende Buch ausführlich besprechen, das die Worte der Evangelien und der Apostel auslegt.

Doch vorerst gilt es, auf Grund des Gesetzes und der Propheten (als berechtigt) zu erweisen, was wir verkünden und glauben. Es ist unmöglich, daß der Sohn Gottes nicht dasjenige Wesen beibehalte, aus dem er hervorgegangen ist. Denn es hat nicht als etwas anderes denn als Gott sein Dasein, was nirgendwoher als nur aus Gott sein Dasein hat. „Dasselbe Wesen”: aber nicht so, als ob derjenige (auch) geboren sei, der zeugte ― denn wie wird er es selbst1 sein können, da er doch gezeugt ist? ―, sondern so, daß in eben demjenigen (Sein) jener das Dasein hat, der gezeugt wurde, was in seiner Ganzheit derjenige ist, der zeugte; denn er ist dasjenige nicht von anderswoher, als was er gezeugt ist. Deswegen hat auch keine Beziehung auf ein anderes, was aus einem heraus zusammen mit diesem als eines besteht. Auch ist, was aus einem Lebenden heraus sein Leben hat, nicht etwas Neues. Endlich ist auch nicht etwas sich selbst Artfremdes, was ein Lebender als einen Lebenden zeugte.

So bleibt also der unkörperliche und unveränderliche Gott bei der Zeugung des Sohnes seinem Wesen treu, indem er einen unkörperlichen und unveränderlichen Gott zeugt. Und hinwiederum: die vollkommene Geburt des unkörperlichen und unveränderlichen Gottes aus einem unkörperlichen und unveränderlichen Gott verläßt auch nicht (dieses letzteren) Wesen, eben wegen dieses [S. 260] Geheimnisses, daß ein Gott aus einem Gott Dasein gewinnt.

So bezeugt es der eingeborene Gott bei Moses: „Seht, seht, daß ich der Herr bin, und daß es keinen Gott gibt außer mir.”2 Denn das Wesen der Göttlichkeit ist nicht (zugleich auch) ein anderes, so daß es außerhalb seiner noch irgendeinen Gott geben könnte. Denn obwohl er selbst3 Gott ist, ist dennoch vermöge der Kraft des Wesens ein Gott4 in ihm. Deswegen, weil er selbst Gott und in ihm ein Gott ist, gibt es außer ihm keinen Gott. Denn nicht von anderswoher hat er sein Dasein als Gott und in Gott; denn er hat in sich selbst, sowohl was er ist, als auch aus wem er ist.

1: der Sohn.
2: Deut. 32, 39.
3: der Vater.
4: der Sohn.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger