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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Fünftes Buch

32. Paulus erklärt die Worte, die Isaias über den Sohn sprach.

[S. 253] Um die unkundigen und schlichten Leute zu täuschen, behauptet die irrlehrerische Torheit und Falschgläubigkeit in lügnerischer Weise, dieses sei von der Person des Vaters aus gesprochen, damit man dieses Wort nicht als an den Sohn gerichtet deuten könne. Sie soll aber hören, wie der Apostel und Völkerlehrer1 ihr Lügengebilde schuldig spricht, der dieses alles auf das Geheimnis des Leidens des Herrn und auf die Zeiten des Glaubens der Evangelien deutete, damals, als er den Unglauben Israels an die Ankunft des Herrn im Fleische geißelte. Denn so spricht er: „Denn jeder wird gerettet werden, der den Namen des Herrn anruft. Wie (aber) werden sie den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie an den glauben, den sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören, wenn keiner predigt? Wie aber soll jemand predigen, wenn er nicht gesandt ist? Wie ja auch geschrieben steht: Wie schön sind die Füße derer, die den Frieden verkünden, derer, die gute Botschaft bringen!2 Aber nicht alle leisten der Frohbotschaft Folge. Denn Isaias sagt: Herr, wer hat unserer Lehre Glauben geschenkt?3 So kommt also der Glaube vom Hören, das Hören aber vom Sprechen. Aber ich sage: Haben sie denn wirklich nicht gehört? Im Gegenteil: Über die ganze Erde hin ging hinaus ihr Wort, und bis zu den Grenzen der Erde hin ihre Lehre.4 Ich sage aber: Hat Israel es nicht gewußt? Moses hat es zuerst gesagt: Ich will euch aufstacheln gegen ein Nicht-volk; gegen ein vernunftloses Volk will ich euch aufreizen. Isaias aber wagt und sagt es: Denen aber bin ich offenbar geworden, die mich nicht suchen, ließ mich finden von denen, die nicht nach mir fragten.5 Was aber hat er zu Israel gesagt? ,Den ganzen Tag über habe ich [S. 254] meine Hand nach einem Volk ausgestreckt, das nicht hört’.”6

Wer bist du, daß du die Kreise des Himmels übersteigst ― ungewiß ob körperlich oder körperlos ―, und daß du als getreuerer Deuter der Prophetenworte dich aufwirfst, als Paulus es ist?7 Wer bist du, daß du die unaussprechlichen Verborgenheiten der himmlischen Geheimnisse hörst und verschweigst und dennoch dies mit größerer Zuversichtlichkeit lehrst, als sei dein Wissen dir von Gott geoffenbart worden? Wer bist du, daß du aufbewahrt für das Kreuz zur Fülle der Leiden des Herrn,8 zuvor bis ins Paradies hinein entrückt,9 besser als das Gefäß der Auserwählung10 über die göttlichen Schriften willst lehren können, und dabei nicht weißt, daß dies vom wahren Gott gesagt und gesprochen worden und zur Erkenntnis des wahren Gottes von seinem wahren und erwählten Apostel gelehrt worden sei?

1: Vgl. 1 Tim. 2, 7.
2: Is. 52, 7.
3: Is. 53, 1.
4: Ps. 18, 5 [hebr. Ps. 19, 5].
5: Is. 65, 1.
6: Röm. 10, 13―21.
7: 2 Kor. 12, 2.
8: Vgl. Kol. 1, 24.
9: 2 Kor. 12, 4.
10: Apg. 9, 15.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger