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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Fünftes Buch

27. Aus demselben Grunde wird der Sohn als wahrer Gott aufgezeigt, aus dem man ihn für einen falschen ausgab.

Um einen ganz irrtumsfreien Weg zur Erkenntnis des wahren Sachverhaltes zu geben, sollen eben jene (angeführten) Prophetenworte im Zusammenhang zugrunde gelegt werden: „So spricht darum der Herr: Seht, die mir dienen, sollen essen; ihr aber werdet hungern. Seht, die mir dienen, sollen trinken; ihr aber werdet dürsten. Seht, die mir dienen, sollen aufjubeln in Freude; ihr aber werdet wehklagen wegen der Bedrängnis eures Herzens und jammern aus der Bedrückung eures Geistes. Meinen Erwählten werdet ihr euren Namen zur Freude überlassen, euch aber wird der Herr töten. Meinen Dienern dagegen wird man einen neuen Namen geben, den man preisen wird auf Erden: und preisen werden sie den wahren Gott; und die auf Erden schwören, werden es tun beim wahren Gott.”1

Niemals geschieht es ohne Grund, daß man über die gewohnte Lehrweise hinausgeht, und Tatsache und [S. 248] Umfang der falschen Lehre veranlaßt Tatsache und Umfang der Neuerung. Denn wenn es vorher so und soviele feierliche Lehren über Gott gab, und um die Erhabenheit und das Wesen Gottes zu kennzeichnen, nur der einfache und einzige Name „Gott” angeführt wurde, so muß man doch fragen, warum denn jetzt der Geist die feierliche Lehre durch Isaias spricht, man solle den wahren Gott preisen und auf Erden beim wahren Gott schwören.

Zunächst ist zu bemerken, daß diese Sprechweise auf Dinge der Zukunft hinweist. Ich frage, ob derjenige nicht etwa wahrer Gott sei, dem man damals nach der landläufigen Lehre der Juden Preis und Schwur darbrachte. Denn in Unkenntnis des heiligen Geheimnisses (der Dreifaltigkeit) Gottes und darum auch in Unwissenheit über den Sohn Gottes verehrten sie nur Gott, und (ihn) nicht auch als Vater.2 Denn durch die Verehrung des Vaters hätten sie gewiß auch den Sohn verehrt. Diese also verehrten Gott und schwuren bei ihm. Der Prophet lehrt aber ausdrücklich, man müsse den wahren Gott preisen. Er sprach deswegen ausdrücklich vom wahren Gott, weil wegen des Geheimnisses der Leibesannahme die tatsächliche Göttlichkeit in ihm nicht für alle erkennbar sein würde. Und die Bestätigung des Wahren war notwendig, wo die Behauptung des Falschen hervorbrechen würde. Wir wollen nun die einzelnen Gedankengänge eben dieser Worte besprechen.

1: Is. 65, 13―16.
2: Vgl. Buch 3, 17.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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