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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Fünftes Buch

25. Entgegnung wider die Irrlehrer, die die wahre Göttlichkeit des Sohnes leugnen. Der Sohn ist das in Wahrheit, als was er geboren wurde.

Jetzt ist es nunmehr Zeit, daß wir die ehrfürchtige und rechtgläubige Lehre des Gesetzes dem nicht aussetzen, von den Schlichen irrlehrerischer Torheit herumgetragen zu werden, die dem Sohn Gottes die Göttlichkeit abstreiten will und zu dem Ende so beginnt: „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist nur einer.”1 Ihre Ungläubigkeit versuchte sich an dem Namen, obwohl doch das Gesetz von Gott und Gott gesprochen hatte; um die Berechtigung dieses Namens durch das Gewicht eines Prophetenwortes abzulehnen, fügte sie hinzu: „Preisen sollen sie dich, den wahren Gott”2 (um dadurch zu erhärten), daß damit das Gesetz von nur einem Gott [S. 245] gesprochen habe, und daß dem Sohn Gottes eher der Name als die Wirklichkeit eines Gottes eigne, da man doch offenbar nur einen Gott erkenne.

Doch vielleicht glaubst du, wir widersprächen, du Tor, deinen Worten, um die Einheit des wahren Gottes abzustreiten. Wahrlich nicht streiten wir das ab, da wir mit deiner Lehre übereinstimmen. Denn das ist unser Glaube, das unser Wissen, das unsere Darlegung (, was folgt). Wir erkennen vielmehr einen Gott, und diesen als wahren Gott. Unser Bekenntnis leidet des Namens wegen keine Gefährdung, da es in dem Wesen des Sohnes den einen und wahren Gott (als wirklich) lehrt. Nimm doch die rechte Erkenntnis deiner Lehre an! Erkenne doch den einen und wahren Gott, um auch den einen und wahren Gott in rechtgläubiger Weise zu verkünden! Denn um deine falschgläubige Lehre zu sichern, raubst du die Lehre unseres Glaubens; und was er ist, streitest du ab, während du zugleich nicht abstreitest, was er ist.3 So machst du törichte Weisheit zum Trug,4 um die Wahrheit unter dem Schein der Wahrheit zu untergraben. Den einen wahren Gott behauptest du, um den einen wahren Gott zu leugnen. Denn deine Lehre hält man deswegen für rechtgläubig, weil sie mehr noch falschgläubig ist; deswegen für wahr, weil sie falsch ist.

Deswegen wird von dir der eine und wahre Gott (zu dem Zwecke) verkündet, damit er es nicht sei. Denn dem Sohn Gottes bestreitest du die wahre Göttlichkeit, während du doch seine Göttlichkeit nicht ableugnest; Gott läßt du ihn sein, aber nicht dem Wesen, sondern dem [S. 246] Namen nach. Wenn seine Geburt mehr eine solche der Benennung als der Wirklichkeit ist, dann kannst du (mit Recht) seinem Namen die Berechtigung nehmen; wenn er aber in Wahrheit als Gott geboren ist, so frage ich, wie er das in Wahrheit nicht sein könne, als was er geboren wurde. Entweder leugne überhaupt sein Dasein oder, wenn er Dasein hat: wie kann er das nicht sein, was er ist, da er doch nicht sein kann, was er ist (mit dem Ziel), um es nicht zu sein?

Doch von der Geburt wird bald die Rede sein. Vorläufig will ich aber die Falschgläubigkeit deiner Lügenlehre durch ein Prophetenwort widerlegen, so aber, daß gegen unsere Lehre von dem einen und wahren Gott weder des Sabellius Irrlehre Recht haben soll, die den Vater zugleich auch als den Sohn bekennt, noch du hinsichtlich des Sohnes mit deiner Lügenlehre die Wahrheit vertretest, indem du nur einen waren [corr.: statt „waren” = „wahren”] Gott behauptest.

1: Deut. 6, 4.
2: Is. 65, 16.
3: „Streitest ab”: die Gottheit des Sohnes; „streitest nicht ab”: die Einheit des göttlichen Wesens. Hilarius hält dem Gegner (Arius) vor, es nicht zu erkennen, daß in der Einheit des Wesens zugleich die Göttlichkeit des Sohnes eingeschlossen ist.
4: dadurch, daß er die Schlußweisen irdischen Denkens („törichte Weisheit”) zum Maßstab für die Beurteilung des Göttlichen nimmt, indem er glaubt, das eine göttliche Wesen könne nicht zugleich zwei göttlichen Personen zu eigen sein.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger