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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Viertes Buch

8. Die Schriftstellen, mit deren Hilfe die Arianer die Arglosen täuschen.

Sie ereifern sich nämlich allein für die Göttlichkeit Gott Vaters und versuchen deswegen dem Sohn das Gottsein zu entziehen. Denn es sei geschrieben: „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist nur einer.”1 Und genau das gleiche sage der Herr auch dem Gesetzeslehrer auf die Frage, was das größte Gebot im Gesetz sei: ,,Höre, Israel, der Herr, dein Gott ist nur einer.”2 Und auch Paulus lehre wiederum so: „Einer nur ist nämlich Gott, und einer nur Mittler Gottes und der Menschen.”3

Ferner: er (Gott-Vater) allein sei weise, um nur ja nicht dem Sohn einige Weisheit zu lassen, nach dem Apostelwort: „Ihm aber, der Macht hat, euch zu stärken gemäß meinem Evangelium und der Verkündigung Jesu Christi, gemäß der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige [S. 176] Zeiten lang verschwiegen, jetzt aber nach dem Gebote des ewigen Gottes zum Zweck des Glaubensgehorsams für alle Völker durch die prophetischen Schriften kundgemacht wurde, dem allein weisen Gott sei durch Jesus Christus Herrlichkeit in alle Ewigkeit! Amen.”4

Ferner: er allein sei unentstehbar, und er allein wahrer (Gott), weil Isaias gesagt habe: „Preisen sollen sie dich, den wahren Gott!”5 Das habe auch der Herr in den Evangelien durch sein Wort bestätigt: „Das aber ist das ewige Leben, daß sie dich, den alleinigen wahren Gott, erkennen, und den du gesandt hast, Jesus Christus.”6

Ferner: er allein sei gut, damit nur ja nicht etwas an Gutheit im Sohne sei, da er doch selbst gesagt habe: „Niemand ist gut als nur Gott allein.”7

Ferner: er allein sei mächtig; denn Paulus habe gesagt: „Den er zu seiner Zeit uns zeigen wird, der Selige und allein Mächtige: der König der Könige und der Herr der Herrscher.”8

Ferner: ihn (allein) kennten sie als unwandelbar und unveränderlich, da er durch den Propheten gesagt habe: „Ich bin der Herr, euer Gott, und ich ändere mich nicht”,9 und da der Apostel Jakobus gesagt habe: „Bei ihm ist keine Veränderung.”10

Ihn (allein kennten sie als) den gerechten Richter, weil geschrieben steht: „Gott ist gerechter Richter, mächtig und langmütig.”11

Ihn (allein kennten sie) als den, der mit seiner Vorsehung alles umfasse, weil der Herr gesagt habe, als er von den Vögeln sprach: „Und euer himmlischer Vater ernährt sie”;12 und wiederum: „Verkäuft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig, und fällt nicht (auch nur) einer von ihnen auf die Erde ohne den Willen eures Vaters? Doch auch die Haare eures Hauptes sind gezählt.”13 Ihn (kennten sie allein) als den, der alles [S. 177] vorhersehe, wie die reichbedachte Susanna spricht: „Ewiger Gott, du erkennst das Verborgene und weißt alles, noch ehe es wird.”14

Ihn auch (kennten sie allein) als den Unbegreiflichen, nach dem Wort: „Der Himmel ist mein Thron, die Erde aber Schemel meiner Füße. Was für ein Haus wollt ihr mir bauen, oder wo soll meine Ruhestätte sein? Das alles hat doch meine Hand erschaffen und das alles ist mein.”15 Ihn auch als den, der alles umfasse, nach dem Zeugnis von Paulus: „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir”;16 und nach dem Wort des Psalmendichters: „Wohin soll ich weggehen vor deinem Geist, und wohin vor deinem Angesicht mich flüchten? Wenn ich aufsteige zum Himmel: du bist da; wenn ich hinabsteige zur Tiefe: du bist da; wenn ich Flügel nehme vor dem (Morgenlicht) und Wohnung suche an den Enden des Meeres: auch dort noch geleitet mich deine Hand und hält mich deine Rechte.”17

Ihn (allein erkennten sie) auch als körperlos, da geschrieben steht: „Denn ein Geist ist Gott, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.”18

Ihn (allein erkennten sie) als unsterblich und unsichtbar, da Paulus spricht: „Der allein Unsterblichkeit besitzt und in unzugänglichem Lichte wohnt, den keiner der Menschen je sah, noch auch sehen kann”;19 und nach dem Evangelium: „Gott hat noch niemand je gesehen als allein der eingeborene Sohn, der im Schoße des Vaters ist.”20

Ihn allein auch als den, der als unentstehbar immer Dasein besitze, weil gesagt sei: „Ich bin, der ich bin;”21 und wiederum: „So sollst du den Söhnen Israels sagen: Gesandt hat mich zu euch derjenige, der da ist;”22 und durch Jeremias: „Der du, Herr, der Hirt bist.”23

1: Deut. 6, 4.
2: Mark. 12, 29.
3: 1 Tim. 2, 5.
4: Röm. 16, 25―27.
5: Is. 65, 16.
6: Joh. 17, 3.
7: Mark. 10, 18.
8: 1 Tim. 6, 15.
9: Mal. 3, 6.
10: Jak. 1, 17.
11: Ps. 7, 12 [hebr. Ps. 7, 12].
12: Matth. 6, 26.
13: Matth. 10, 29 f.
14: Dan. 13, 42.
15: Is. 66, 1 f.
16: Apg. 17, 28.
17: Ps. 138, 7―10 [hebr. Ps. 139, 7―10.
18: Joh. 4, 24.
19: 1 Tim. 6, 16.
20: Joh. 1, 18.
21: Exod. 3, 14.
22: Exod. 3, 14.
23: Jer. 1, 6.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger