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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Viertes Buch

6. In dem angegebenen Sinn läßt die Kirche weder das Homousios noch das Immersein des Sohnes zu.

Welch törichte und gottlose Befürchtungen und welch ehrfurchtslose Besorgtheit um Gott! Was man der Bezeichnung Homousios und dem sogenannten Immersein des Sohnes zum Vorwurf macht, genau das lehnt die Kirche ab, weist sie zurück, verurteilt sie.

Denn sie kennt (nur) den einen Gott, aus dem alles Dasein hat; sie kennt nur unsern einen Herrn Jesus Christus, durch den alles (erschaffen ist); einen, aus dem (alles ist), und einen, durch den (alles ist); (sie kennt) den Ursprung der Schöpfung von nur einem, und die Erschaffung des Alls durch nur einen.

In dem einen, aus dem (alles Dasein hat): (darin) erkennt sie die Erhabenheit des Nichtgeborenseins; in dem einen, durch den (alles geschaffen ist), verehrt sie die Macht, die sich in keiner Weise von dem (seinem) Urheber1 unterscheidet; denn derjenige, aus dem (alles ist), und derjenige, durch den (alles ist), haben in [S. 174] Hinsicht auf das Erschaffbare die gleiche gemeinsame Machtvollkommenheit, in dem, was erschaffen wurde.

Sie weiß, daß im Geist der Gott-geist leidensunfähig und unzerteilbar ist; denn sie hat vom Herrn gelernt, daß der Geist Fleisch und Bein nicht habe,2 damit man nicht glaube, ihm fielen die Mängel körperlicher Zuständlichkeiten zur Last.

Sie kennt nur einen Gott, der nicht hervorgebracht werden kann; sie kennt auch einen eingeborenen Sohn Gottes. Sie bekennt den Vater als ewig und ledig jeglichen Ursprunges; sie bekennt auch des Sohnes Ursprung von Ewigkeit her; ihn (leitet sie) nicht von einem (zeitlichen) Anfang her, wohl aber von einem Anfangslosen; nicht durch sich selbst, sondern von demjenigen, der von niemandem her allzeit Dasein hat; geboren von Ewigkeit her, indem er nämlich die Geburt aus der Ewigkeit des Vaters annimmt.

Unser Glaube ist also frei von dem Meinen ungläubiger Verkehrtheit. Denn offen zu Tage liegt das Bekenntnis unserer Überzeugung, wenn auch noch nicht Sinn und Berechtigung des Bekenntnisses auseinandergelegt ist. Doch es soll nichts an Anlaß zu Argwohn zurückbleiben, weder in der Bezeichnung des von den Vätern Homousios Genannten, noch auch im Bekenntnis des Immerseins des Sohnes. Darum wurde in Erinnerung gebracht, woraus man erkennen solle, daß der Sohn Dasein habe in derjenigen Seinsfülle, mit der er vom Vater gezeugt wurde; daß durch die Geburt des Sohnes dem Vater nichts von seiner Seinsfülle genommen wurde, in der er blieb; daß die Gleichwesentlichkeit des Sohnes mit dem Vater, aber nicht aus den oben angeführten Verdrehungen und (verfehlten) Gründen, von heiligen und von der Lehre Gottes entbrannten Männern festgelegt worden sei. Denn es soll nicht etwa jemand glauben, daß dem eingeborenen Sohn durch sein Wesen die Geburt genommen werde, weil man ihn mit dem Vater gleichwesentlich nennt.

1: Urheber: derjenige, aus dem der unus per quem seinen Ursprung hat.
2: Luk. 24, 39.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger