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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Viertes Buch

42. Jeremias schützt die Göttlichkeit des Sohnes. Welcher Gott auf Erden erschienen sei. Es wirkt der Sohn bei der Gesetzgebung und bei der Menschwerdung als Mittler. Der Vater und der Sohn sind eins.

Außer Moses und Isaias höre nämlich auch an dritter Stelle den Jeremias, der genau das gleiche lehrt, wenn er sagt: „Dieser ist unser Gott, und kein anderer wird für ihn eingesetzt. Er fand jeglichen Weg des Wissens, und er gab ihn dem Jakob, seinem Knecht, und dem Israel, seinem Liebling. Danach erschien er auf Erden und verweilte unter den Menschen.”1 Vorher hatte er nämlich schon gesagt: „Mensch ist er, und wer wird ihn erkennen?”2 Da hast du es also: Gott erschien auf Erden [S. 215] und verweilte unter den Menschen; und ich frage, wie du es deuten zu sollen glaubst: „Gott hat niemand je gesehen, es sei denn der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist”,3 da doch Jeremias ausdrücklich das Erscheinen Gottes auf Erden und sein Verweilen unter den Menschen lehrt. Das steht fest: der Vater ist nur dem Sohn sichtbar.

Wer ist also derjenige, der unter den Menschen erschienen und gewandelt ist? Ganz gewiß ist es unser Gott, sichtbar in Menschengestalt und faßbar trotz seiner Göttlichkeit. Bedenke wohl das Prophetenwort: „Kein anderer wird für ihn eingesetzt.” Wenn du fragst: wie denn (soll das zu verstehen sein), so höre, was folgt, damit du nicht wegen des Wortes „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist nur einer”4 glaubest, es komme nicht auch dem Vater zu. Denn dies schließt sich an: „Kein anderer wird für ihn eingesetzt; er fand jeglichen Weg des Wissens und gab ihn Jakob, seinem Knecht, und Israel, seinem Liebling; danach erschien er auf Erden und verweilte unter den Menschen.” Denn es gibt nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen,5 (er ist) Gott und Mensch, Mittler bei der Gesetzgebung und bei der Leibesannahme.

Ein anderer wird also für ihn nicht eingesetzt. Denn nur dieser ist als Gott aus Gott geboren worden, durch den alles im Himmel und auf Erden erschaffen ist, durch den die Zeiten und ihr Ablauf erschaffen sind. Denn alles, was ist, hat sein Bestehen nur auf Grund seines (des Sohnes Gottes) Handelns. Dieser eine also gibt seine Anordnung an Abraham, seinen Befehl an Moses, seine Bezeugung an Israel; er wohnt in den Propheten, er wird durch die Jungfrau vom Hl. Geist geboren, er heftet die uns widrigen und feindlichen Mächte ans Holz des Leidens;6 den Tod vernichtet er in der Unterwelt, den Glauben auf unsere Hoffnung befestigt er durch seine Auferstehung, die Zerstörbarkeit des menschlichen [S. 216] Fleisches macht er für immer zuschanden durch die Herrlichkeit seines Leibes.

An seiner Statt wird also kein anderer eingesetzt; denn das eignet allein dem eingeborenen Gott, und dieser allein wird in dieser ganz einzigen Glückseligkeit seiner machtvollen Begabung aus Gott geboren. Kein anderer wird an seiner Statt als Gott eingesetzt: denn nicht aus einem anderen Stoff her, sondern aus Gott ist er Gott. So gibt es denn nichts Neues in ihm, nichts Fremdes, nichts Jüngst-erworbenes. Wenn nämlich Israel hört, daß sein Gott nur einer sei und anstatt des göttlichen Gottessohnes kein anderer Gott eingesetzt wird, um Gott zu sein, so sind Gott-Vater und Gott-Sohn ganz unbezweifelt eins, nicht in dem Eins-sein der Person, wohl aber in dem Eins-sein des Wesens; denn daß der Sohn Gottes als Gott zu einem anderen abgewandelt werde, das läßt der Prophet nicht zu, eben weil er Gott ist. Fünftes Buch

1: Bar. 3, 36―38.
2: Jer. 17, 9 (Septuaginta).
3: Joh. 1, 18.
4: Deut. 6, 4.
5: 1 Tim. 2, 5.
6: Vgl. Kol. 2, 14.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger