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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Viertes Buch

38. Eine lichtvolle Belegstelle aus Isaias. Die vorhergesagte Anbetung der Weisen. Wer die Weisen gewesen sind.

Eine wie endgültige Belehrung über unsern Herrn gibt uns aber Gott der Vater bei Isaias. Denn er sagt: „So spricht nämlich der Herr, der heilige Gott Israels, der schon geschaffen hat, was noch erst kommen wird: Befragt mich über eure Söhne und Töchter und gebt mir Kunde über die Werke meiner Hände! Ich habe die Erde erschaffen und den Menschen auf ihr, ich habe allen Gestirnen ihre Weisung gegeben, ich habe den gerechten König erweckt, und alle seine Wege sind gerecht. Dieser wird meine Stadt erbauen und die Gefangenschaft meines Volkes (in Freiheit) verwandeln, nicht um des Sohnes, nicht um der Geschenke willen, spricht der Herr der Heerscharen. In Drangsal wird Ägypten sein und der Handel derer aus Äthiopien und Saba. Männer, hochgestellt, werden zu dir kommen, und sie werden deine Sklaven sein; dir werden sie folgen, in Fesseln gebunden, und werden dich anbeten und [S. 210] anflehen; denn Gott ist in dir, und es gibt keinen Gott außer dir. Du nämlich bist Gott, und wir wußten es nicht, Gott, Erlöser Israels; erröten werden und beschämt alle, die ihm widerstreiten, und mit Bestürzung werden sie einhergehen.”1

Ist da noch für verwegene Meinung Raum? Oder ist da noch irgendeine Veranlassung zur Nichtwissenheit, es bleibe denn dies übrig, daß ausgesprochene Gottlosigkeit sich aufdränge? Gott, aus dem alles seinen Ursprung hat, der alles durch seinen Befehl erschaffen hat, nimmt sich der Werke seines Tuns an, die nicht entstanden wären, wenn er nicht den Befehl dazu gegeben hätte. Feierlich erklärt er, von ihm sei der gerechte König erweckt, und daß er für ihn, Gott, eine Stadt erbaue, und daß er die Gefangenschaft des Volkes abwende, nicht des Entgeltes oder Geschenkes willen: denn gnadenhaft2 werden wir erlöst. Danach, fährt er fort, werden nach der Mühsal Ägyptens ― d. h. nach dem Elend der Welt ― und nach dem Handel der Männer aus Äthiopien und Saba hochgestellte Männer zu ihm hinkommen.

Aber schließlich: Was ist unter der Drangsal Ägyptens und unter dem Handel der Männer aus Äthiopien und Saba zu verstehen? Erinnern wir uns der morgenländischen Weisen, die den Herrn anbeten und beschenken, und versuchen wir die Mühsal einer solchen Reise abzuschätzen, um bis nach Bethlehem in Juda zu kommen. Denn in der Bemühung der Fürsten ist uns die Bemühung von ganz Ägypten aufgewiesen. Die Weisen („Magier”) stellten nämlich das Walten der Macht Gottes unter falscher sichtbarer Erscheinungsweise der wirklichen Tatsachen lügnerisch dar, und ihnen wurde deshalb vorerst die Ehrerbietung eines falschen Glaubens von aller Welt zuteil. Den gleichen Weisen und den Handelsleuten aus Äthiopien und Saba, die Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke darbrachten, was ebenso auch ein anderer Prophet vorherverkündet hat mit [S. 211] den Worten: „Vor seinem Angesicht werden niederfallen die Äthiopier, und seine Feinde werden den Boden küssen. Die Könige von Tharsis werden Geschenke darreichen, und die Könige der Araber und von Saba werden Geschenke darbringen, und vom Golde Arabiens wird man ihm schenken.”3

In den Weisen und ihren Geschenken offenbart sich also die Bemühung Ägyptens und der Handel derer aus Äthiopien und Saba, der Irrwahn4 der Welt nämlich (darin), daß die Weisen anbeten und daß die erlesenen Geschenke der Heiden dem Herrn dargebracht werden, den sie anbeten.

1: Is. 45, 11―16.
2: d. h. geschenkweise.
3: Ps. 71, 9 f. [hebr. Ps. 72, 9 f.].
4: nämlich mit irdischen Geschenken vollgültige Anbetung zu leisten.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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