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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Viertes Buch

35. Wie der Prophet die Göttlichkeit des Sohnes lehrt und ihn vom Vater trennt. In welchem Sinn Gott der Vater des Sohnes ist.

Du hältst an dem Wort fest: „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist nur einer.”1 Möchtest du doch in rechter Weise an ihm festhalten! Aber ich frage ― gemäß deiner Auffassung ― nach der Auslegung des prophetischen Wortes. Denn er sagt in den Psalmen: „Gesalbt hat dich Gott, dein Gott.”2 Um beim Lesen die Meinung zu erfassen, trenne den, der gesalbt wird, und den, der salbt; unterscheide „dich” und „dein”; weise auf, an wen und von wem die Rede ist! Denn dem vorher Gesagten ist diese Anordnung des Bekenntnisses angefügt. Denn er hatte gesagt: „Dein Thron, Gott, besteht für alle Ewigkeit, der Stab deiner Herrschaft ist der Stab deines Reiches; du liebst Gerechtigkeit und hassest Verkehrtheit.”3 Dem fügt er jetzt auch hinzu: „Darum hat Gott dich gesalbt, dein Gott.”4 Der Gott des ewigen Reiches ist also wegen seines Verdienstes, daß er nämlich die Gerechtigkeit liebt und die Verkehrtheit haßt, von seinem Gott gesalbt worden.

Bringen etwa einige Unterschiede wenigstens in den Namen unsere Deutung in Verlegenheit? Denn nur eine Unterscheidung der Person ist auf dich und dein gegründet, in keinem aber als solche des Wesens [S. 207] ausdrücklich hervorgehoben. „Dein” ist nämlich auf den Urheber bezogen, „dich” aber auf denjenigen, der aus dem Urheber Dasein hat. Denn es ist Gott aus Gott, da der Prophet in demselben Zusammenhang bekennt: „Dich, Gott, hat dein Gott gesalbt.” Es gibt aber (zeitlich) vor dem ungewordenen Gott keinen anderen Gott, nach seinem eigenen Wort: „Seid mir Zeuge, und ich bin es, spricht Gott der Herr, und auch der Knecht, den ich erwählte, damit ihr wisset und glaubet und erkennet, daß ich bin und daß vor mir kein anderer Gott ist und nach mir nicht sein wird.”5 Damit ist also die Erhabenheit dessen gezeigt, der anfangslos ist; und dessen Ehre ist gewahrt, der aus dem Ungewordenen sein Dasein hat: „Denn dich hat Gott, dein Gott, gesalbt.”6 Denn daß er „dein” sagt, das bezieht sich auf die Geburt, zerreißt im übrigen aber nicht die Wesen(sgleichheit). So ist er also dessen Gott, der aus ihm als Gott geboren wurde. Nicht aber ist deswegen, weil der Vater Gott ist, nicht auch der Sohn Gott: denn „dich hat Gott, dein Gott, gesalbt”; denn indem er den Urheber und auch den aus ihm Gezeugten (getrennt) bezeichnet, hat er sie mit einem und demselben Wort ausdrücklich als gleich nach Wesen und Würde genannt.

1: Deut. 6, 4.
2: Ps. 44, 8 [hebr. Ps. 45, 8].
3: Ps. 44, 7 f. [hebr. Ps. 45, 7 f.].
4: Ps. 44, 7 f. [hebr. Ps. 45, 7 f.].
5: Is. 43, 10.
6: Vgl. Buch 11, 18 f.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger