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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Viertes Buch

33. Moses spricht nicht nur einmal vom Gott und Herrn. Beide sind dennoch nur ein Gott. Der Sohn ist Gottes Engel und Gott.

Geh überdies die Zeugnisse des Moses durch, und sieh zu, ob er irgendeine Gelegenheit unbenutzt läßt, den Herrn und Gott zu verkünden! Denn aus seinen Worten hast du schon (dieses) zur Hand: „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist nur einer.”1 Achte jetzt auf die Worte jenes seines gottgegebenen Gesanges; denn er spricht: „Seht doch, seht, daß ich der Herr bin und daß keiner Gott ist außer mir!”2 Und nachdem er alle Worte bis zu Ende des Gesanges aus der Person Gottes heraus hatte gesprochen werden lassen, sagt er:3 „Freut euch, ihr Himmel, zugleich mit ihm, und anbeten sollen ihn alle Söhne Gottes! Freut euch, ihr Stämme, mit seinem Volk, und verehren sollen ihn alle Engel!”4 Ehre muß Gott von den Engeln Gottes erwiesen werden, der spricht: „Denn ich bin der Herr, und keiner ist Gott außer mir.”

Denn es ist der eingeborene Gott, und er läßt für den Namen des Eingeborenen keinen Teilhaber zu, sowie auch der Ungewordene keinen Teilhaber annimmt, sofern er eben der Ungewordene ist; denn es ist einer von einem. Weder gibt es außer dem ungewordenen Gott einen anderen ungewordenen Gott, noch auch ist außer dem eingeborenen Gott irgend jemand eingeborener Gott. Jeder ist also einer und einzig, nämlich jeder nach der Eigentümlichkeit des Ungeworden-seins und des Ursprungs. Und so sind beide ein Gott; denn zwischen dem einen und einen, d. h. (zwischen) dem einen, (der) aus dem einen (ist), gibt es keine zweite Wesenheit ewiger Göttlichkeit.

[S. 205] Anbetung gebührt ihm also von seiten der Söhne Gottes und Ehrerweisung von seiten der Engel Gottes. So wird auch für Gott Ehre und Verehrung von den Söhnen Gottes und von den Engeln gefordert. Präge dir die Bezeichnung dessen ein, dem die Ehre zukommen soll, und derer, die sie leisten sollen, nämlich (einerseits) die Engel und Söhne Gottes und (anderseits) Gott!

Doch damit du nicht glaubest, es würde Ehre für einen Gott gefordert, der es nicht wesensmäßig sei; und du nicht glaubest, Moses habe an dieser Stelle an die Verehrung Gottes des Vaters gedacht, da doch im Sohn der Vater zu ehren sei, so achte doch genau auf den Segen, den er in derselben Rede an Joseph verfügt! Denn er sagt: „Was demjenigen genehm erscheint, der im Busch erschien, das soll über Josephs Haupt und dessen Scheitel kommen.”5

Gott muß also von den Söhnen angebetet werden; aber Gott ist, wer auch Gottes Sohn ist. Gott aber ist von den Engeln Gottes zu ehren, jedoch derjenige Gott, der als Gottes Engel Gott ist; denn vom Busch aus erschien der Engel Gottes als Gott; und was ihm beliebte, wird dem Joseph als Segen gewünscht. Er ist nicht etwa aus dem Grunde kein Gott, weil er Engel Gottes ist; und anderseits wiederum ist er nicht deswegen kein Engel Gottes, weil er Gott ist. Er kennt und bezeichnet viel mehr die Personen, er trennt den Sinn von Ungeworden-sein und Geburt, er offenbart das Gefüge der himmlischen Geheimnisse, und so hat er gelehrt, man dürfe Gott nicht für einen einzigen (der Person nach) halten, da den Engel und Sohn Gottes die Engel und Söhne Gottes als Gott anbeten werden.

1: Deut. 6, 4.
2: Deut. 32, 39.
3: Buch 5, 36 verweist er hierher zurück.
4: Deut. 32, 43 [Septuag.].
5: Deut. 33, 16.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger