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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Viertes Buch

16. In dem Schöpfungsbericht lehrt er, Gott sei nicht vereinzelt. Ein andrer spricht, ein andrer handelt; jeder ist Gott. Der Sohn ist der handelnde Gott.

Da also dies eine ganz eindeutige und vollkommene Lehre über Gott ist, gemäß dem Apostel so zu sprechen: „Einer ist Gott-Vater, aus dem alles (Ursprung hat), und einer unser Herr Jesus Christus, durch den alles (geschaffen ist)”,1 so wollen wir prüfen, was Moses über den Ursprung der Welt sagt. Denn er berichtet: „Und Gott sprach: es werde das Feste inmitten des Wassers und es teile zwischen Wasser und Wasser; und es geschah so, und Gott schuf das Firmament, und Gott teilte [S. 186] das Wasser in der Mitte.”2 Da hast du den Gott, aus dem (alles seinen Ursprung hat); da hast du den Gott, durch den (alles geschaffen ist). Wenn du das ablehnst, dann mußt du entweder zeigen, durch wen die Schöpfung geschaffen ist, oder (aber) nachweisen, daß die zu erschaffenden Dinge von innen heraus Gott gehorsam seien, da sie auf das Wort hin „Es werde das Feste” dem Befehl Gottes gemäß sich gefestigt haben. Doch eine solche Auslegung läßt der Sinn der Hl. Schrift nicht zu. Alles ist nämlich dem Propheten gemäß aus dem Nichts heraus erschaffen3 worden; und es ist nicht ein schon bestehender Stoff in etwas anderes verwandelt worden, sondern was nicht war, ist erschaffen worden und hat endgültigen Bestand.

Durch wen? Höre den Evangelisten: „Alles ist durch ihn erschaffen worden.”4 Wenn du fragst, durch wen denn, so höre denselben Evangelisten sprechen: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; dies war im Anfang bei Gott. Alles ist durch es erschaffen worden.”5

Wenn du es leugnen wolltest, daß offenbar vom Vater gesagt worden sei: „Es werde das Feste”,6 so höre wiederum den Propheten sprechen: „Er sprach, und es wurde; er befahl, und es war da.”7 Mit dem Wort „Es werde das Feste”, wird also gezeigt, daß dies der Vater gesprochen habe. Damit aber, daß hinzugefügt wird „Und es geschah so”, und daß von Gottes Tun berichtet wird, darin muß man die wirkende Person erkennen, die handeln soll. Denn „Er sprach, und es wurde”; er hat (also) durchaus nicht nur gewollt und (dadurch) erschaffen; „Er befahl, und es war da”: durchaus nicht (nur), weil es ihm beliebte, gewann (die Schöpfung) Dasein, um (so) die Tätigkeit des Mittlers zwischen sich und demjenigen verschwinden zu machen, was geschaffen werden sollte.

Gott also, aus dem alles sein Dasein hat, ordnet das [S. 187] Werden an, und derjenige Gott führt es aus, durch den alles (da ist), wobei derselbe und gleiche Name sowohl zur Bezeichnung dessen, der spricht, angewandt wird, als bei der Betätigung dessen, der handelt. Wenn du aber zu behaupten wagst, nicht vom Sohne gelte das Wort: „Und Gott schuf”, wo wird denn das Wort bleiben: „Alles ist durch ihn erschaffen worden,” und jenes Apostelwort: „Und einer ist unser Herr Jesus Christus, durch den alles (erschaffen wurde)”;8 und jenes andere: „Er sprach, und es wurde”?9 Wenn diese gottgegebenen Worte deinen maßlosen Anspruch als grundlos erweisen, dann wird dem Sohne Gottes dadurch nicht die Göttlichkeit genommen, daß gesagt ist: „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist nur einer;” denn von dem gleichen, der dieses sagte, wurde im Schöpfungsbericht auch die Gottheit des Sohnes kundgetan.

Doch wir wollen zusehen, zu welchem Fortschritt diese Unterscheidung des befehlenden Gottes und des handelnden Gottes von Nutzen ist. Denn wenn auch die Fassungskraft gewöhnlicher Einsicht den Glauben nicht annehmen mag, mit dem Wort: „Er befahl, und es wurde,” sei ein einzelner10 und nur er bezeichnet worden, so wird dennoch auch die Erklärung dessen, was der Schöpfung folgt, notwendig sein, damit nicht noch ein Zweifel möglich sei.

1: 1 Kor. 8, 6.
2: Gen. 1, 6 f.
3: 2 Makk. 7, 28.
4: Joh. 1, 3.
5: Joh. 1, 1―3.
6: Gen. 1, 6.
7: Ps. 148, 5 [hebr. Ps. 148, 5.].
8: 1 Kor. 8, 6.
9: Ps. 148, 5 [hebr. Ps. 148, 5].
10: Hilarius hebt hier das (zahlmäßige) Eins-sein des Wesens, nicht der Person hervor.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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