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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Viertes Buch

14. Das Göttliche erfaßt der Mensch nur aus dem, was Gott von sich offenbarte, und von daher sind die Behauptungen der Irrlehrer zu widerlegen. Gottes Worte darf man nicht außerhalb, sondern nur innerhalb des Zusammenhanges auswerten.

[S. 183] Das ist ihr Irrtum, das ihre todbringende Lehre; und um das zu stützen, nehmen sie unter verderbtem Sinn der Auslegung die Zeugnisse göttlicher Worte für sich in Anspruch; und über diese bringen sie ihr Lügengewebe vor, indem sie menschliches Nichtwissen sich zunutze machen.

Niemandem darf es aber zweifelhaft sein, daß man zur Erkenntnis göttlicher Dinge auch göttlicher Lehren sich bedienen müsse. Denn weder wird die menschliche Schwachheit durch sich selbst das Wissen himmlischer Dinge erreichen, noch auch das Erkenntnisvermögen für körperhafte Dinge die Einsicht in Unsichtbares sich erwerben. Was nämlich in uns geschöpflich und fleischlich ist oder was (uns) zur Erhaltung unseres Lebens von Gott gegeben wurde, vermag nicht auf eigenes Urteil hin das Wesen des Schöpfers und sein Werk voneinander zu trennen. Unser Geist ist nicht tragfähig für göttliches Wissen, und ebensowenig vermag unsere Schwachheit in irgendeiner Hinsicht die unbegreifliche Kraft zu fassen.

In dem, was Gott betrifft, muß man ihm selbst Glauben schenken und dem Folge leisten, was er uns an Erkennen über sich hat zuteil werden lassen. Denn entweder muß man ihn nach Heidenart leugnen, wenn man seine Kundgebungen verwirft, oder aber, wenn man an sein Gottsein glaubt ― so wie er es wirklich ist ―, dann kann man nicht auf andere Weise von ihm Erkenntnis gewinnen, als er sie selbst über sich gegeben hat.

Schwinden soll daher alle menschliche Eigenmeinung, und menschlicher Fürwitz soll nicht über die gottgegebene Grenze hinausstreben. Gegen die widergläubigen und ehrfurchtslosen Aufstellungen folgen wir also den [S. 184] maßgebenden Äußerungen der göttlichen Worte, und jeden einzelnen Gegenstand unserer Untersuchung werden wir unter seiner Führung abhandeln und nicht einige Bedeutungen von Wörtern ihrem Zusammenhang entziehen und zur Täuschung und fälschlichen Belehrung der unkundigen Hörer umdeuten. Denn die Wortbedeutung ist aus dem behandelten gegenständlich gefaßten Zusammenhang zu entnehmen: denn dem Wort ist nicht der Gegenstand, sondern dem Ding ist das Wort untergeordnet. Wir werden vielmehr bei allem so vorgehen, daß wir zugleich die Gegenstände der Untersuchung und den Eigengehalt der Wörter vorlegen. Wir wollen also in der vorgelegten Ordnung das einzelne abhandeln.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger