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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Drittes Buch

25. Die weise Torheit der Gläubigen.

[S. 166] Weil der Apostel wußte, daß die unvollkommene Erkenntnis des menschlichen Wesens nur dasjenige für wirklich wahr halte, was sie verstehe, deswegen sagt er, daß er nicht mit Worten der Weisheit lehre, um nicht die Verkündigung seiner Lehre nichtig werden zu lassen. Um aber nicht den Eindruck zu erwecken, Verkünder einer Torheit zu sein, deswegen fügte er hinzu, das Wort „Kreuz” sei denen eine Torheit, die verloren gehen; denn die Ungläubigen hielten das allein für Klugheit, was sie (selbst) wüßten. Da sie jedoch nur innerhalb der wesensmäßigen Grenze ihrer Schwachheit dächten, so hielten sie diejenige Weisheit für Torheit, die allein Gottes vollkommene Weisheit ist. Was also denen, die verlorengehen, Torheit ist, das alles ist denen Gottes Kraft, die gerettet werden:1 denn sie bemessen nichts nach der Schwachheit ihres eigenen Erkenntnisvermögens, sondern sie wägen die Wirksamkeit der göttlichen Macht nach der Unendlichkeit seiner himmlischen Kraft ab.

Und deswegen verwirft Gott die Weisheit der Weisen und das Verständnis der Verständigen, weil den Glaubenswilligen durch die Anerkennung der menschlichen Torheit das Heil zuteil wird, sofern einerseits die Ungläubigen für Torheit halten, was außerhalb ihrer Erkenntnisreichweite liegt, anderseits die Gläubigen der Macht und Kraft Gottes alle Geheimnisse ihrer Heilsvollendung anheimstellen. Es ist also nicht Torheit, was Gottes ist; demgegenüber ist es dem Menschenwesen unweise Klugheit, von seinem Gott zur Weckung des Glaubens Zeichen oder Weisheit zu fordern. Der Juden trauriges Vorrecht ist es, Zeichen zu fordern, weil sie wegen der Vertrautheit mit dem Gesetz den Namen Gottes wohl kannten und doch um des Kreuzes willen Ärgernis nahmen. Griechenart aber ist es, nach Weisheit zu verlangen, weil sie in heidnischer Verkehrtheit und [S. 167] menschlicher Überklugheit inneres Verstehen dafür fordern, daß Gott am Kreuz erhöht wurde. Das aber ist gemäß der Fassungskraft des schwachen (Menschen-) wesens im Geheimnis verborgen, und darum wird die Torheit ungläubig. Denn was mit seiner wesensmäßig bestimmten Kraft der Geist nicht erfaßt, das erklärt er für außerhalb der Zuständigkeit klarer Erkenntnis.

Doch auf Grund dieser unklugen Weisheit der Welt, welche nicht durch die Weisheit Gottes, d. h. durch diese Pracht der Welt und durch die Ausstattung des mit solcher Weisheit gegründeten Werkes, zur Erkenntnis Gottes gelangt ist, hat sie die Weisheit ihres Schöpfers nicht verehrt. Deswegen beschloß Gott, durch Verkündigung der Torheit den Gläubigen das Heil zu geben, d. h. durch den Glauben an das Kreuz den Sterblichen die Ewigkeit zuteil werden zu lassen. Denn das Meinen menschlicher Einsicht sollte beschämt und dort das Heil gefunden werden, wo man an Torheit glaubt. Denn Christus, der den Heiden eine Torheit und den Juden ein Ärgernis ist, (derselbe) ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit.2 Denn was nach menschlichem Dafürhalten im Göttlichen für schwach und töricht gehalten wird, das soll der irdischen Klugheit und Kraft in vollgültiger Weisheit und Macht voranstehen.

1: 1 Kor. 1, 18.
2: Vgl. 1 Kor. 1, 23.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger