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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Zweites Buch

8. Was der Sohn ist, was er nicht ist.

Aus hafenlosem Land sind wir bei stürmischem Meer auf die hohe See hinausgefahren. Weder Rückfahrt noch Vorwärtsfahrt ist ohne Gefahr möglich. Mehr Gefahr aber wartet auf der Fahrt, die noch zu durchmessen ist, als auf der schon durchmessenen Fahrt.

Der Vater ist, wie er ist; und daß er so auch Dasein habe, wie sein Wesen ist, das eben ist zu glauben.

Den Sohn (erkenntnismäßig) zu erreichen, erschrickt der Geist; und jedes Wort zittert davor, sich darzubieten. Denn es ist der Sproß des Ungeborenen, der eine vom Einen, der Wahre vom Wahren, der Lebendige vom Lebendigen, der Vollkommene vom Vollkommenen, Kraft der Kraft, Weisheit der Weisheit, Herrlichkeit der Herrlichkeit, Bild des unsichtbaren Gottes, Gestalt des ungewordenen Vaters.

Welcher Art aber ist der Ursprung des Eingeborenen aus dem Ungewordenen, den wir für wahr halten sollen? Oft genug spricht laut der Vater vom Himmel herab: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Gefallen habe.”1 Es liegt keine Abtrennung oder Teilung vor; denn leidensunfähig ist, wer zeugte; und Bild des unsichtbaren Gottes ist jener, der geboren wurde; und er bezeugt (es ja auch): „daß der Vater in mir ist, und ich [S. 113] im Vater.”2 Es ist auch keine Annahme (an Sohnes Statt); denn wahrer Sohn Gottes ist er, und er bekennt es öffentlich: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.”3 Ihm wurde aber auch nicht das Geheiß zuteil (auf dieselbe Weise), wie die übrigen (Geschöpfe) sein Dasein zu empfangen. Denn der Eingeborene stammt von dem einen; und in sich hat er das Leben, so, wie jener das Leben in sich hat, der ihn zeugte. Denn er sagt: „So wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er dem Sohn gegeben, das Leben in sich selbst zu haben.”4 Es ist aber auch nicht ein Teil des Vaters im Sohn; denn der Sohn bezeugt: „Alles, was des Vaters ist, gehört auch mir;”5 und wiederum: „Und alles Meinige ist dein, und das Deinige mein”6 und: „Was immer der Vater besitzt, hat er dem Sohn gegeben.”7 Zeuge ist auch der Apostel: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.”8 Es entspricht auch nicht dem Wesen (geschöpflicher Dinge), alles zu sein, was nur Teil ist. Er aber ist vollkommen vom Vollkommenen her; denn wer alles hat, der hat ihm alles gegeben. Noch auch darf man meinen, er (der Vater) habe nicht gegeben, weil er besitze; oder er besitze nicht, weil er gegeben habe.

1: Matth. 3, 17.
2: Joh. 10, 38.
3: Joh. 14, 9.
4: Joh. 5, 26.
5: Joh. 16, 15.
6: Joh. 17, 10.
7: Joh. 17, 7.
8: Kol. 2, 9.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger