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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Zweites Buch

4. Die neuen Lehren der Irrgläubigen, des Sabellius, Hebion, der Arianer, der Geistbekämpfer. 1

Wenn sie also auch diese (Tatsachen und Lehren) aus dem, was sie sind, in keiner Weise abzuändern vermögen, so bringen sie doch neue Lehren und menschliche Fündlein bei.

So Sabellius, daß er den Vater auf den Sohn sich ausdehnen läßt und daß er glaubt, dies (d. h. der Unterschied Vater-Sohn) sei mehr der Bezeichnung nach zu bekennen als in der Wirklichkeit, da er denselben sich vorstellt als Sohn, denselben auch als Vater.

So Hebion, daß er für den Sohn Gottes den Ursprung insgesamt aus Maria herleitet und nicht aus Gott den Menschen, sondern aus dem Menschen Gott hervorgehen läßt; und daß die Jungfrau nicht das vorher (als Person) für sich bestehende Wort empfangen habe, das bei Gott [S. 107] im Anfang Gott war, sondern daß sie das Fleisch durch das Wort geboren habe; denn im „Wort” sei vorher nur ein Wortklang hervorgehoben worden, nicht aber besage es das Wesen des daseienden eingeborenen Gottes.

So einige Lehrer2 unserer heutigen Zeit, die aus dem Nichts und von einem (bestimmten) Zeitpunkt an die Gestalt und die Weisheit und die Kraft Gottes hervorkommen lassen, damit nicht der Vater durch den Sohn eine Minderung erfahre, wenn der Sohn wirklich aus dem Vater stammt; allzu besorgt (sind sie), der aus dem Vater geborene Sohn würde den Vater schwächen; und deswegen wollen sie dem (Vater-) Gott bei der Erschaffung des Sohnes beistehen, die sie mit einer Erschaffung aus dem Nichts in Vergleich stellen, damit der Vater innerhalb der Vollkommenheit seines Wesens (unversehrt) verbleiben könne, weil nichts aus ihm gezeugt sei.

Und vollends, wie kann es verwunderlich sein, daß diejenigen über den Hl. Geist verschiedener Meinung sind, die hinsichtlich dessen, der ihn spendet, so Verwegenes ausdenken über seine Schöpfung und Änderung und Vernichtung?

Sie wollen so die Wahrheit dieses vollkommenen Geheimnisses auflösen; behaupten sie doch eigenständig-verschiedenes Bestehen da, wo so viel Gemeinsamkeit vorliegt: sie leugnen die Vaterschaft, indem sie dem Sohn nehmen, daß er Sohn sei; sie leugnen den Hl. Geist, indem sie seinen Genuß und Spender nicht kennen.

So verderben sie die Unkundigen, indem sie die (vermeintliche) Vernünftigkeit dieser Verkündigung beteuern; sie täuschen die Hörer, indem sie den Namen ihre seinsmäßige Berechtigung nehmen, da sie doch dem daseienden Wesen die (entsprechenden) Bezeichnungen nicht nehmen können.

Ich übergehe die anderen, den Menschen gefährlichen Namen, die Valentiner, die Marcioniten,3 die Manichäer [S. 108] und die übrigen Verseuchten, die dann und wann die Geister der Unkundigen befangen machen und mit der verderblichen Einwirkung ihres Umganges anstecken: alle werden dadurch das Opfer einer und derselben Seuche, daß in das Herz der Hörer die Krankheit der Verkünder eingeimpft wird.

1: „Pneumatomachen”, „Geistbekämpfer”; Führer: Macedonius, seit 341 Bischof von Konstantinopel; er behauptet für den Hl. Geist, was Arius für den Logos gelehrt hat.
2: Arianer.
3: Gründer: Marcion aus Sinope in Pontus; um 144 in Rom aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen; im Kampf gegen die Marcioniten wurde die kirchliche Verfassung und die Festlegung des Bibelkanons sehr gefördert.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger