Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Zweites Buch

20. Auf welche Weise alles im Wort erschaffen ist. Das Wort ist nicht erst allmählich vollkommen geworden, sondern ist schon durch seine Geburt vollkommen.

Da also „alles durch ihn” (erschaffen ist), so komm doch herbei und zähle auf, was ohne ihn erschaffen sei. „Was in ihm geschaffen ist, ist Leben.”1 Das also (ist) [S. 123] nicht ohne ihn (geschaffen), was in ihm erschaffen ist; denn was in ihm erschaffen ist, das ist auch durch ihn erschaffen. Alles nämlich ist durch ihn und in ihm erschaffen.2 In ihm aber (ist alles) erschaffen, weil er als Schöpfergott geboren wurde. Aber auch aus dem Grunde ist ohne ihn nichts erschaffen worden, was erschaffen wurde, weil Gott schon bei seiner Geburt Leben war: und (weil), wer das Leben war, nicht erst nach seiner Geburt Leben geworden ist; denn in ihm ist nicht ein anderes dasjenige, als was er geboren wurde, und ein anderes dasjenige, was er durch seine Geburt empfing. Nicht haben Geburt und Fortschritt etwas von Zeit zwischen sich liegen. Sondern nichts von dem, was in ihm geschah, vollzog sich ohne ihn; denn Leben ist, in dem alles wurde, und Gott, der von Gott geboren wurde, und nicht erst nachdem seine Geburt geschehen war, sondern Gott war er schon im Augenblick seiner Geburt. Denn im Vollzug seiner Geburt war er der Lebensvolle vom Lebensvollen, der Wahre vom Wahren, der Vollkommene vom Vollkommenen. Nicht ohne (sich selbst wissende) Eigenmacht über seine Geburt ist er geboren worden. Er ist seine Geburt nicht erst nachher innegeworden, sondern er hat sich klar als Gott erkannt, eben in dem Geschehnis, daß er als Gott von Gott geboren wurde.

Dadurch hat der Eingeborene vom Ungewordenen sein Dasein; dadurch (gilt): „Ich und der Vater sind eins;”3 dadurch (wird) im Bekenntnis des Vaters und des Sohnes nur ein Gott (angebetet); dadurch (ist) der Vater im Sohn und der Sohn im Vater. Daher (sein Recht, zu sprechen): „Wer mich sah, hat auch den Vater gesehen.”4 Daher (sein Ausspruch): „Alles, was der Vater besitzt, gab er dem Sohn.”5 Daher (sein stolzes Bewußtsein): „Wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so gab er (auch) dem Sohn, das Leben in sich selbst zu [S. 124] haben.”6 Daher (sein Wort): „Niemand kennt den Sohn, es sei denn der Vater, noch auch den Vater, es sei denn der Sohn.”7 Daher (sein Vorzug): „In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.”8

1: Joh. 1, 4. Zu dieser Lesart vergleiche man Buch 1, Kap. 10, Anmerkung.
2: Kol. 1, 16.
3: Joh. 10, 30.
4: Joh. 14, 9.
5: Joh. 16, 15.
6: Joh. 5, 26.
7: Matth. 11, 27.
8: Kol. 2, 9.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
Bilder Vorlage

Navigation
. Erstes Buch
. Zweites Buch
. . Mehr
. . 12. Die Zeugung des ...
. . 13. Gleiches wurde ...
. . 14. Dennoch ist das ...
. . 15. Das „Wort”, ...
. . 16. Es verletzt nicht ...
. . 17. Das Wort als Schö...
. . 18. Das Wort ist nicht ...
. . 19. Nicht nur war er b...
. . 20. Auf welche Weise ...
. . 21. Der Ursprung des ...
. . 22. Die Künste der ...
. . 23. Beweisstellen gege...
. . 24. Was Christus unseres ...
. . 25. Wir sind unvermögend, ...
. . 26. Die Niedrigkeit ...
. . 27. Die Würde der ...
. . 28. Christus hat durch ...
. . Mehr
. Drittes Buch
. Viertes Buch
. Fünftes Buch
. Sechstes Buch
. Siebtes Buch
. Achtes Buch
. Neuntes Buch
. Zehntes Buch
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger