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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Erstes Buch

10. Hoffnung und Kenntnis Gottes vermehrt der Evangelist Johannes.

Aber der Geist wurde müde, teils aus Befürchtung seiner selbst, teils des Körpers wegen. Er behielt seine unwandelbare Erkenntnis in frommem Gottesbekenntnis fest und behielt dazu eine ängstliche Sorge wegen seiner selbst und wegen seiner körperlichen Behausung, die, wie er glaubte, mit ihm zugrunde gehen würde. Doch nach dem Bekanntwerden mit dem Gesetz und den Propheten lernte er auch die grundlegenden Sätze der evangelischen und apostolischen Lehre kennen: „Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Das war im Anfang bei Gott. Alles ist durch es erschaffen worden, und ohne es ist nichts erschaffen worden. Was in ihm erschaffen ist, ist das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name war Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, um Zeugnis vom Licht zu geben. Jener war nicht das Licht, sondern Zeugnis sollte er geben vom Licht. Er war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn erschaffen worden, und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in das Seinige, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Die ihn aber aufnahmen, denen gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus Blut und nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt; und wir haben seine [S. 75] Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit wie des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit.”1

Der Geist greift über den Erkenntnisbereich natürlich-möglicher Erfahrung hinaus; und mehr, als er ahnte, wird er über Gott belehrt. Denn von seinem Schöpfer erfährt er, daß er Gott aus Gott ist: Gott-Wort — so hört er; und bei Gott ist es im Anfang. Er erkennt das Licht der Welt, das in der Welt bleibt und von der Welt nicht erkannt wird. Er erfährt, daß er in sein Eigentum kam, von den Seinen nicht aufgenommen; daß aber, die ihn aufnahmen, um des Verdienstes ihres Glaubens willen zu Kindern Gottes wurden, nicht aus der Umarmung des Fleisches, noch aus der Empfängnis des Blutes, noch aus dem Begehren der Körper, sondern aus Gott geboren. Danach (erfährt er), das Wort sei Fleisch geworden und habe unter uns gewohnt, und seine Herrlichkeit sei erkannt worden, die als des Eingeborenen vom Vater vollkommen sei mit Gnade und Wahrheit.

1: Joh. 1, 1―14. Die Vulgata teilt ab: „Ohne ihn ist nichts erschaffen worden, was erschaffen ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.” Es liegt kein Irrtum des Hilarius, sondern eine abweichende Lesung (Zeichensetzung) vor; man vergleiche Buch 2, Kap. 20.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger