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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Erstes Buch

7. Gott ist der am meisten Schöne; denn die Gestalt der übrigen Dinge erfassen wir, wenn auch nicht im Wort, so doch dem sinnlichen Eindruck nach; Gottes Gestalt aber auf keine dieser Arten.

Obwohl also der Geist in der Erfahrung dieser ganz wertvollen und unsagbaren Erkenntnis froh war, daß er nämlich in seinem Vater und Schöpfer die Unendlichkeit unermeßlicher Ewigkeit verehrte, so suchte er trotzdem in noch tieferem Bemühen nach jenem eigentlichen Ausdruck seines unendlichen und ewigen Herrn, so daß er die unumgrenzbare Unendlichkeit irgendwie in der [S. 72] Schönheit einer anziehenden Einsicht (enthalten) glauben könnte. Da in diesen Dingen der gläubige Geist in die Irrtumsfähigkeit seiner Schwachheit eingeschlossen ist, so nahm er gern diesen Ausdruck einer gewinnend-schönen Erkenntnis über Gott: „Denn aus der Größe der Werke und der Schönheit der Geschöpfe erkennt man folgerecht den Schöpfer der Geschlechterfolgen.”1 Der Schöpfer großer Dinge besitzt die Größe im höchsten Maße, und der Urheber schöner Werke ebenso auch die Schönheit. Und wenn schon der Schöpfungsvollzug die ganze Fassungskraft übersteigt, so geht notwendig der Schöpfer weit über jede Fassungskraft hinaus. Schön also ist der Himmel, der Luftraum, die Erde, die Meere und das ganze Weltall, das wegen seiner Ausschmückung es wohl verdient, nach griechischem Belieben Kosmos, d. h. (schönheits- und sinnvoll) geordnete Welt genannt zu werden. Die Erfahrung erfaßt aber eben diese Schönheit der geschöpflichen Dinge mit natürlicher Sicherheit, wie es sogar bei einigen Arten von Vögeln und Tieren der Fall ist,2 so daß, auch wenn von Dingen die Rede ist, die unterhalb der Erkenntnisgrenzen liegen, der Sinn zwar einerseits dasjenige nicht auszusprechen vermag, was er dennoch erfaßt; aber doch anderseits der Sinn vermöge seiner Erfassung zu sich selbst spricht, da ja alles Sprechen der Sinneserfahrung entspringt. Muß dann da nicht der Herr eben dieser ganzen Schönheit als der am meisten Schöne erkannt werden, so daß die Erfahrung der sinnvollen Ausschmückung vor der Einsicht der Erkenntnis nicht verborgen bleibe, wenn auch der Ausdruck seiner ewigen Schönheit jegliche geistige Fassungskraft übersteigt?

So ist also Gott als der am meisten Schöne zu preisen (und zwar so), daß er weder innerhalb der [S. 73] Fassungskraft geistiger (Geschöpfe), noch aber auch außerhalb des Bereiches geistiger Erfahrbarkeit sich befindet.

1: Weish. 13, 5.
2: Diese Tiere vermögen die Schönheit der Welt sinnenmäßig zu erfassen und zu bekunden, aber nicht geistig zu durchdringen.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger