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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Erstes Buch

32. Andere Gegengründe.

Doch die völlig törichten und frevelhaften Menschen sahen nicht ein, daß nichts Widerspruchsvolles in den gleichen Dingen von dem gleichen gesagt worden sei; und indem sie am Wort hafteten, haben sie den Gegenstand und Sinn der Worte verloren. Denn es ist wirklich sehr verschieden: „Traurig ist meine Seele bis zum Tode”,1 und: „Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Kraft sitzen sehen”;2 noch auch ist es dasselbe: „Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber”,3 und jenes Wort: „Den Kelch soll ich nicht trinken, den der Vater mir gegeben hat?”4 und weit verschieden ist: „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”5 von jenem Wort: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du bei mir sein im Paradiese;”6 ganz weit auseinander liegen auch (dieses Wort): „Vater, ich befehle in deine Hände meinen Geist”,7 und jene (Bitte): „Vater, vergib ihnen; denn, was sie tun, wissen sie nicht.”8 Darum sind sie in den Falsch-glauben zurückgefallen, unfähig, göttliche Worte zu fassen. Und da Angst und Freiheit, ungeduldige Anklage und entschuldigende Bitte, Wehklage und Ermunterung, Mutlosigkeit und Mittlertum nicht zusammenstimme, so haben sie, des göttlichen Bekenntnisses und Wesens uneingedenk, die Taten und Worte der (eigenen Vor-) Bestimmung (Christi) zum Vorwand ihrer Gottlosigkeit gemacht.

Darum also haben wir alles ausdrücklich aufgewiesen, was in dem Geheimnis der Seele und des Leibes des Herrn Jesus Christus (eingeschlossen) ist, und haben dabei nichts unerklärt, nichts unerwähnt gelassen. Wir [S. 97] haben vielmehr die befriedigende Auslegung aller Aussprüche den einzelnen Besonderheiten der (behandelten) Gegenstände angepaßt und dargetan, daß weder Vertrauen mutlos zittere, noch der zustimmende Wille sich entziehe, noch die Sicherheit sich beklage, noch derjenige für andere Vergebung erfleht habe, der um seine Anempfehlung betete: wir haben die (gegenseitig sich nicht ausschließende) Glaubwürdigkeit aller Aussprüche durch die endgültige Lehre des Geheimnisses der Evangelien bekräftigt.

1: Matth. 26, 38.
2: Matth. 26, 64.
3: Matth. 26, 39.
4: Joh. 18, 11.
5: Matth. 27, 46.
6: Luk. 23, 43.
7: Luk. 23, 46.
8: Luk. 23, 34.

 

 

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Quellenangabe
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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger