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Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
Erstes Buch

4. Verschiedene Meinungen der alten Denker über Gott. Für Hilarius gelten sie nicht als erwiesen, dem das Dasein nur eines Gottes als gewiß gilt.

Denn mehrere von ihnen führten zahlreiche Familien ungewisser Götter ein; und indem sie glaubten, es gebe bei den göttlichen Wesen ein männliches und ein weibliches Geschlecht, behaupteten sie, daß von Göttern Götter abstammten und einander folgten. Andere lehrten, die Götter seien größer und kleiner und verschieden an Macht. Einige behaupteten, es gebe überhaupt [S. 68] keinen Gott, und verehrten nur diejenige (physische) Natur, die aus zufälligen Bewegungen und aus solchen Begegnungen bestehe, die aufs Geratewohl geschähen. Die meisten jedoch sprachen wohl gemäß der öffentlichen Meinung davon, es gebe einen Gott; doch von eben diesem verkündeten sie, er kümmere sich nicht um die Menschengeschicke und vernachlässige sie. Einige aber verehrten sogar die körperlichen und sinnlich-sichtbaren Formen der geschöpflichen Dinge in den irdischen und himmlischen Elementen. Einige zuletzt glaubten ihre Götter in den Bildnissen von Menschen, in zahmem und wildem Getier, in Vögeln und Schlangen verborgen und zwängten den Herrn des Alls und den Vater der Unendlichkeit in die Enge von Metall und Stein und Holz. Gewiß schon war es nicht Recht, daß sie als Lehrer der Wahrheit dastünden, sie, die in der Bemühung um lächerliche und verächtliche und widergläubige Dinge gerade auch in den Meinungen ihrer völlig unsinnigen Ansichten auseinanderklafften.

Doch indem der Geist in ernster Bemühung sich auf einen nutzbringenden und notwendigen Weg zur Erkenntnis seines Gottes stützte, hielt er es unter alledem weder eines Gottes für würdig, daß er um seine Geschöpfe sich nicht kümmere, noch auch vermochte er zu sehen, daß einem mächtigen und unvergänglichen Wesen männliche und weibliche Gottheiten und Folgen von Zeugungen und Geburten eignen solle. Ferner hielt er es für gewiß, daß das Göttliche und Ewige nur eines und in sich gleichartig sei, weil dasjenige, was nach Sein und Wesen sich selbst Urheber sei, nichts außerhalb seiner zurückgelassen haben könne, das vollkommener wäre. Darum komme die Allmacht und Ewigkeit eben nur einem einzigen zu, weil weder mit der Allmacht ein Stärker- und Schwächer-sein, noch auch mit der Ewigkeit ein Später- und Früher-sein in Einklang zu bringen sei, in Gott aber nur die Ewigkeit und Macht verehrt werden dürfe.

 

 

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Einleitung zu: Des heiligen Bischofs Hilarius von Poitiers zwölf Bücher über die Dreieinigkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger