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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Drittes Buch
II. Kapitel. Daß man sich nicht herausputzen soll.

13.

1. Daß aber die Putzsucht die Frauen zu Dirnen macht und die Männer zu Weichlingen und Ehebrechern, dafür ist uns ein Zeuge der Tragiker, wenn er ungefähr so erzählt;
„Da kam, wie man in Argos sagt, der Mann,
Der einst im Streit der Göttinnen der Richter war,
Von Phrygien nach Sparta, bunt im Prachtgewand,
Von Goldschmuck strahlend, prunkend nach Barbarenart;
Er nahm, da Menelaos außer Landes war,
Helene zu Idas Rinderställen fort als Raub,
Da er sie liebte, so wie sie auch ihn.“1

[S. 147] 2. O ehebrecherische Schönheit! Ins Unglück gestürzt wurde ganz Griechenland durch die Prunkliebe des Barbaren und seine weibische Üppigkeit. Der lakonischen Sittsamkeit wurden zum Fallstrick Gewand und Prunk und blühende Schönheit; die Prachtliebe des Barbaren brachte an den Tag, daß die Tochter des Zeus eine Dirne war.

3. Sie hatten keinen Erzieher, der ihnen ihre Begierden beschnitten hätte; und niemand war da, der zu ihnen gesagt hätte: „Du sollst nicht ehebrechen!“, und niemand, der gesagt hätte: „Du sollst dich nicht gelüsten lassen!“2 oder „Laß dich durch deine Begierde nicht zum Ehebruch verführen, ja hüte dich schon davor, die Begierden durch Prunkliebe zu entflammen!“

4. Was für ein Ende ist für sie auf diese Taten gefolgt, und welches Unglück kam über die, welche die Selbstsucht nicht hindern wollten! Zwei Erdteile sind durch die zuchtlosen Lüste erschüttert worden, und alles wird durch einen Barbarenjüngling in Verwirrung gebracht; ganz Griechenland besteigt die Schiffe, und das Meer wird zu eng, weil es ganze Erdteile tragen muß.

5. Ein langer Krieg entbrennt, und gewaltige Schlachten brechen los, und mit Toten bedecken sich die Ebenen; gegen das Schiffslager wütet der Barbar; Ungerechtigkeit herrscht, und das Auge des von dem Dichter besungenen Zeus schaut auf die Thraker;3 die Gefilde der Barbaren trinken edles Blut, und die Fluten der Ströme kommen durch die sich stauenden Leichen zum Stehen; unter Wehklagen schlägt man sich die Brust, und Trauer verbreitet sich über die Erde;
„Und es erbeben die sämtlichen Füße des quellreichen Ida
Und auch die Gipfel, die troische Stadt und der Danaer Schiffe.“4

1: Euripides, Iphig. in Aulis 71—77; es ist von Paris die Rede.
2: Exod. 20, 13. 17.
3: Vgl. Hom. Il. 13, 4.
4: Ebd. 20, 59f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger