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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
X. Kapitel. Was man über das Kinderzeugen besprechen muß.

103.

1. Was ist nun schöner oder blühender als Blumen? Und was ist lieblicher als Lilien und Rosen? „Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Felde ist und morgen in den Ofen geworfen wird, in dieser Weise kleidet, wie viel eher wird er es euch tun, ihr Kleingläubigen! So fragt auch ihr nicht ängstlich, was ihr essen oder was ihr trinken sollt!“1

2. Hier hat das Redeteilchen „was“ (τί) die Mannigfaltigkeit der Speisen als verwerflich bezeichnet; mit der Stelle ist nämlich folgendes gemeint: Sorgt euch nicht darum, wie beschaffen eure Speise oder wie beschaffen euer Getränke sein wird; denn darum sich zu sorgen, ist ein Zeichen von Maßlosigkeit und Genußsucht. Das Essen aber allein, ohne einen weiteren Zusatz genommen, ist nur das Zeichen für etwas Notwendiges, die Erfüllung, wie wir sagten,2 eines Bedürfnisses. Das „was“ aber gehört zum Überflüssigen, das Überflüssige aber stammt, wie die Schrift gelehrt hat, vom Teufel.3

3. Den Sinn macht aber der folgende Satz deutlich. Nachdem er (der Herr) nämlich gesagt hatte: „Fragt nicht ängstlich, was ihr essen oder was ihr trinken sollt“, fügte er hinzu: „und überhebt euch nicht!“4 Zur Überhebung über die Wahrheit führt aber [S. 110] die Hoffart und die Genußsucht; und die Üppigkeit, die sich ganz auf das Überflüssige verlegt, führt von der Wahrheit weg.

4. Deshalb sagt er ganz richtig: „Nach diesem fragen alle Völker der Erde.“5 Die Zuchtlosen und die Unvernünftigen sind die „Völker“; was aber meint er mit dem Wort „diesem“? Die Genußsucht, die Üppigkeit, die Feinschmeckerei, die Schlemmerei, die Gefräßigkeit; dies ist mit dem Wort „was“ gemeint.

5. Hinsichtlich der Nahrung an und für sich aber, sowohl der trockenen als auch der flüssigen, sagt er, da sie unentbehrlich ist: „Euer Vater weiß, daß ihr sie nötig habt.“6 Wenn wir aber durchaus darauf angelegt sind, nach etwas zu suchen, so wollen wir unseren Eifer im Suchen nicht auf die Genußsucht verschwenden, sondern wollen ihn dazu entfachen, die Wahrheit zu finden. Denn der Herr sagt: „Sucht nach dem Reich Gottes; dann wird euch das, was zur Nahrung gehört, obendrein gegeben werden.“7

1: Luk. 12, 28 f.; vgl. Matth. 6, 30f.
2: Vgl. oben 88, 2.
3: Vgl. Matth. 5, 37.
4: Luk. 12, 29; vgl. Matth. 6, 31.
5: Luk. 12, 30; vgl. Matth, 6, 32.
6: Luk. 12, 30; vgl Matth. 6, 32.
7: Luk. 12, 31; vgl Matth. 6, 33.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger