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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
X. Kapitel. Was man über das Kinderzeugen besprechen muß.

99.

1. „Ehebruch wohnet bei dir und schändliche Männervermischung,
Weibisch und wider das Recht, du Stadt voll Frevel und Unrat.“1

2. Andererseits aber preist sie die Sittsamen,
„Die nicht nach anderem Lager in schimpflicher Weise verlangen
Noch auch nach der verhaßten und schrecklichen Schändung von Männern“2
begehren, weil sie wider die Natur ist. Solches Tun, mit dem sie sich versündigen, hält die Menge für einen Genuß; die aber, die etwas besser sind, erkennen, daß es Sünde ist, unterliegen aber doch der Lust.

3. Und die Finsternis dient ihnen als Deckmantel für ihre Leidenschaften;3 denn mit seiner eigenen Frau treibt Ehebruch, wer mit ihr in der Ehe wie mit einer Dirne verkehrt;4 und dabei hört er nicht auf den Erzieher, der sagt: „Der Mensch, der auf sein Lager hinaufsteigt, der in seiner Seele spricht: Wer sieht mich? Finsternis ist rings um mich, und die Wände sind meine Decke, und niemand sieht meine Sünden. Was sollte ich scheuen? Gewiß wird der Höchste nicht (an mich) denken.“

4. Ein solcher Mensch ist wirklich zu bedauern, da er „sich nur vor den Augen der Menschen fürchtet“ und glaubt, vor Gott verborgen bleiben zu können. „Denn er weiß nicht, daß die Augen des Herrn, des Höchsten, zehntausendmal heller als die Sonne sind und daß sie auf alle Wege der Menschen hinblicken und bis in die verborgenen Winkel [S. 106] hinein (alles) wahrnehmen.“5

5. So droht ihnen der Erzieher auch wieder durch Jesaias mit dem Wort: „Wehe denen, die im Verborgenen einen Plan ersinnen und sprechen: Wer sieht uns?“6 Denn vor dem sinnlichen Licht wird vielleicht jemand verborgen bleiben, vor dem geistigen aber ist es unmöglich oder, wie Herakleitos sagt: „Wie könnte jemand vor dem verborgen bleiben, das niemals untergeht?“7

6. Wir wollen also niemals die Finsternis zum Deckmantel nehmen; denn das Licht wohnt in uns selbst. „Und die Finsternis“, so heißt es, „überwältigt es nicht“;8 vielmehr wird die Nacht erleuchtet durch das sittsame Denken; und die Gedanken tugendhafter Männer hat die Schrift „nie erlöschende Lichter“9 genannt.

1: Orac. Sibyll. 5, 166—168.
2: Ebd. 4, 33 f.
3: Vgl. Plut. Moral, p. 654 D.
4: Sext. Pyth. Sent, 231; vgl. Strom. II 143, 1; Plut. Moral.p. 142 C.
5: Sir. 23, 18 f.
6: Is. 29, 15
7: Herakleitos Fr. 16 Diels
8: Joh. 1, 5.
9: Vgl. Weisheit 7, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger