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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
X. Kapitel. Was man über das Kinderzeugen besprechen muß.

93.

1. Die Gebärmutter läßt also die Zeugung zu, weil sie nach dem Kindergebären Verlangen trägt, und widerlegt damit, daß der Geschlechtsverkehr etwas Tadelnswertes sei; nach der Zeugung aber hält sie sich dadurch, daß ihr Mund geschlossen ist, nunmehr die lüsterne Begierde völlig fern. Ihr Verlangen aber, das sich bis dahin [S. 100] auf die zärtlichen Liebesumarmungen bezog, wendet sich davon ab und geht ganz darin auf, in ihrem Inneren das Kind zu gestalten und so eine Gehilfin des Schöpfers zu werden.

2. Es ist aber nicht recht, jetzt die Natur während ihrer Arbeit noch zu belästigen und so ein Übermaß von Zuchtlosigkeit zu zeigen. Wenn sich aber die Zuchtlosigkeit (ὕβρις), die viele Namen und viele Formen hat,1 auf dieses Gebiet ungeordneten Lebens, nämlich das des Liebesgenusses, verlegt, so heißt sie Geilheit (λαγνεία),2 indem der Name auf das Gemeine und Gewöhnliche und Unreine, auf das gierige Verlangen nach Geschlechtsverkehr hinweist; wenn sich all dies gemehrt hat, dann kommt noch die große Masse von (sittlichen) Krankheiten hinzu, die Eßgier, die Trunksucht, die Weiberliebe, dazu noch die Schwelgerei und jede Art von Vergnügungssucht, und über all das übt die Begierde ihre Herrschaft aus.

3. Und unzählige diesen verwandte Leidenschaften wachsen heran, aus denen das zuchtlose Wesen seine Vollendung erhält. Die Schrift aber sagt: „Für Zuchtlose werden Geißeln zubereitet und Strafen für die Schultern der Unverständigen“,3 wobei sie die Stärke der Zuchtlosigkeit und ihre kräftige Ausdauer „Schultern der Unverständigen“ nennt. Deshalb sagt sie auch; „Halte von deinen Knechten törichte Hoffnungen fern und treibe unziemliche Begierden von mir weg! Gier des Bauches und Sinnenlust sollen mich nicht erfassen!“4

4. Weit fernhalten muß man also die mannigfache Bosheit der Heimtückischen. Denn nicht nur in den Ranzen des Krates, sondern auch in unsere Stadt „fährt nicht ein törichter Schmarotzer und ebensowenig ein lüsterner Hurer, der sich mit seinem Steiß brüstet, und keine verschlagene Dirne“, aber auch kein anderes der Wollust ergebenes Tier dieser Art.5 Also soll in unser [S. 101] ganzes Leben würdiges Handeln in reichem Maß eingepflanzt sein.

1: Vgl. Platon, Phaidros p. 238 A.
2: Vgl. Andronikos, De aff. p. 19, 10 Kreuttner.
3: Sprichw. 19, 26.
4: Sir. 23, 5 f.
5: Vgl. Krates Fr. 4 Diels PPF p. 218.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger