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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
VIII. Kapitel. Ob man Salben und Kränze verwenden soll.

70.

1. Ebenso steht es mit dem Gebrauch von Kränzen, wie er bei nächtlichem Schwärmen und bei Trinkgelagen üblich ist.
„Jetzt pack dich fort und setz mir keinen Kranz aufs Haupt!“1
Zwar ist es schön, sich zur Frühlingszeit auf taubenetzten, weichen Wiesenmatten aufzuhalten, auf denen bunte Blumen emporsprießen, und sich an dem natürlichen und reinen Duft den Bienen gleich zu erquicken.

2. Jedoch
„den Kranz, gewunden auf der nie versehrten Au“,2
als Schmuck im Hause zu tragen, geziemt sich für sittsame Leute nicht; denn es ist nicht angemessen, die junge Flur ihrer Blüten zu berauben und mit Rosenkelchen und Veilchen und Lilien und anderen derartigen Blumen das Haar bei nächtlichem Umherschwärmen zu [S. 79] bedecken.3 Überdies macht der Kranz, wenn man ihn aufsetzt, das Haar kalt, sowohl weil er feucht als auch weil er selbst kalt ist.

3. Deshalb verlangen auch die Ärzte, da nach ihrer Lehre das Gehirn von Natur kalt ist, daß man die Brust und die Nasenspitze mit einer Salbe einreibe, damit die davon aufsteigende feurige Ausdünstung allmählich durchdringe und die Kälte (des Gehirns) kräftig erwärmen könne.4 Wir sind also weit davon entfernt, mit den Blumen das Gehirn kalt zu machen, da ja das Nervensystem vielmehr erwärmt sein will.

4. Indessen kommen die Bekränzten auch um den Genuß, den die Blumen bieten; denn weder können sich die an dem Anblick der Blumen freuen, die den Kranz oben über den Augen tragen, noch die an ihrem guten Geruch, die den Blumen einen Platz über dem Geruchsorgan zuweisen; denn da der gute Geruch naturgemäß in die Höhe steigt und nach oben über den Kopf hinaus entweicht, so bleibt das Geruchsorgan ohne den Genuß, da ihm ja der Duft der Blumen weggenommen ist.5

5. Wie also die Schönheit, so ergötzt auch die Blume nur dadurch, daß man sie sieht, und man muß das Schöne nur durch das Anschauen genießen und seinen Schöpfer preisen. Eine wirkliche Verwendung des Schönen aber ist schädlich und geht rasch vorüber und erhält ihre Strafe durch die Reue. Auch tritt gar rasch ihre Vergänglichkeit zutage; denn beide verwelken, die Blume und die Schönheit.

1: Vgl. TGF Adesp. 108; CAF III p. 617 Adesp. 1258.
2: Euripides, Hippol. 73 f.; vgl. Strom. I 11, 2; Methodios, Symp. VI 5, 147 S. 70, 8 Bonwetsch.
3: Vgl. Kratinos Fr. 98 CAF I p. 43.
4: Vgl. Plut. Moral, p. 647 E.
5: Vgl. Diogenes bei Diog. Laert. VI 39.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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