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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
VIII. Kapitel. Ob man Salben und Kränze verwenden soll.

73.

1. Der Kranz ist aber das Sinnbild ungestörter Sorglosigkeit; deshalb setzt man auch den Toten Kränze auf und in gleicher Weise auch den Götterbildern, womit man ihnen in der Tat bezeugt, daß sie tot sind. Die Bakchosverehrer ferner können ihre orgiastischen Feiern nicht ohne Kränze begehen; sobald sie sich aber die Blumen um den Kopf gelegt haben, sind sie über alle Maßen für die Feier entbrannt,

2. Man darf also in gar keiner Weise etwas mit den Dämonen gemein haben;1 man darf aber auch das lebende Abbild Gottes nicht in der Weise der toten Götterbilder bekränzen. Denn der herrliche Kranz des Amarant ist für den aufbewahrt, der einen trefflichen Wandel geführt hat.2 Diese Blume hervorzubringen, war die Erde nicht imstande; nur der Himmel kann sie wachsen lassen.

3. Überdies wäre es unvernünftig, wenn wir, die wir gehört haben, daß der Herr mit Dornen gekrönt worden ist,3 unseren Übermut an dem heiligen Leiden des Herrn auslassen und uns mit Blumen bekränzen wollten. Denn die Dornenkrone des Herrn wies prophetisch auf uns hin, die wir einst unfruchtbar waren,4 die wir ihm umgelegt wurden durch die Kirche, deren Haupt er ist.5 Sie ist aber auch ein Vorbild des Glaubens, und zwar des Lebens wegen des Holzes, aus dem sie besteht, der Freude wegen der Bezeichnung Krone und der Gefahr wegen der Dornen; denn es ist auch nicht möglich, sich ohne Blut dem Logos zu nahen.

4. Der geflochtene Kranz hier aber verwelkt, und das Geflecht der Verkehrtheit löst sich auf, und die Blume vertrocknet; denn es verschwindet die Herrlichkeit derer, die nicht an den Herrn geglaubt haben.

5. Und Jesus krönten sie als einen Erhöhten und bezeugten damit ihre eigene Unwissenheit; denn in ihrer [S. 83] Hartherzigkeit verstehen sie nicht, daß eben dies eine bedeutungsvolle Weissagung ist, was sie selbst eine Verhöhnung des Herrn nennen.

6. Nicht erkannte den Herrn das verirrte Volk;6 nicht beschnitten ist es in seinem Verstand nicht erleuchtet in seiner Finsternis; es sah Gott nicht, es verleugnete den Herrn, es hat den Vorzug, Israel zu sein, preisgegeben;7 es verfolgte Gott, es hoffte dem Logos eine Schmach anzutun und es krönte den wie einen König, den es als Verbrecher ans Kreuz schlug.

1: Vgl. ebd. 10, 20.
2: Vgl. 1 Petr. 5, 4.
3: Vgl. Matth. 27, 29; Mark. 15, 17; Joh. 19, 2.
4: Vgl. Matth, 13, 22.
5: Vgl. Eph. 5, 23; Kol. 1, 18.
6: Vgl. Is. 1, 3.
7: Als Israel hätte es Gott sehen müssen; denn Israel heißt „Gott sehend“; vgl. Paid. I 57, 2 mit Anm.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger