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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch

VII. Kapitel. Wovor sich die hüten müssen, die anständig zusammenleben wollen.

53.

1. Fern, ja fern bleibe uns auch das Spotten, das den Anfang zu Kränkungen macht, woraus dann Streit und Kampf und Feindschaft entspringt! Übermütige Kränkung ist aber, wie wir sagten, eine Begleiterin der Trunkenheit. Ein Mensch wird aber nicht nur nach seinen Taten, sondern auch nach seinen Reden beurteilt.1 „Beim Trinkgelage“, so heißt es, „mache deinem Nächsten keine Vorwürfe und sage kein Schimpfwort zu ihm!“2

2. Denn wenn uns befohlen wird, vor allem mit Heiligen zu verkehren, so ist es eine Sünde, über den Heiligen zu spotten. „Aus dem Munde der Unverständigen“, sagt die Schrift, „(kommt) der Stab des Übermutes“,3 indem sie die Gelegenheit zum Übermut einen Stab nennt, auf den [S. 63] sich der Übermut stützen und mit dessen Hilfe er ausruhen kann.

3. Daher bewundere ich den Apostel der auch hier uns ermahnt, keine leichtfertigen Witze zu machen und keine ungehörigen Worte zu sprechen.4 Denn wenn der Zweck der Zusammenkünfte zu den Mahlzeiten der Erweis der gegenseitigen Liebe und wenn das Ziel des Gastmahls die Bezeigung freundschaftlicher Gesinnung unter den Teilnehmern ist, das Essen und Trinken aber nur (als Nebensache) zu der Liebe hinzukommt, wie wäre es da denkbar, daß wir nicht in vernünftiger Weise miteinander verkehren müßten? Wir dürfen aber wegen der Liebe auch keine Streitfragen aufwerfen.

4. Denn wenn wir zusammenkommen, um das gegenseitige Wohlwollen zu stärken, wie können wir da durch das Spotten Feindschaften schüren? Schweigen ist aber besser als zu widersprechen und so zur Unwissenheit noch die Verfehlung hinzuzufügen. „Selig“ in der Tat „ist ein Mann, der mit seinem Munde keinen Fehltritt tat und nicht von Trauer über eine Sünde betroffen wurde“,5 sei es, daß er bereute, was er durch sein Reden verfehlt hatte, sei es, daß er niemand durch sein Reden kränkte.6

5. In der Regel sollen Jünglinge und Jungfrauen von solchen Schmausereien überhaupt fernbleiben, damit sie nicht in unziemlichem Tun zu Falle kommen. Denn da ihr Glaube noch schwankend ist, wird ihr Denken beunruhigt, wenn sie Ungewohntes hören und Unziemliches sehen; und die Unbeständigkeit des jugendlichen Alters trägt bei ihnen dazu bei, daß sie leicht in die Begierde verfallen; manchmal werden sie aber auch anderen ein Anlaß zu Fehltritten, indem sie ihre gefährliche Jugendblüte zur Schau tragen.

1: Vgl. Matth. 12, 37.
2: Sir. 34 (31), 31.
3: Sprichw. 14, 3.
4: Vgl. Eph. 5, 4.
5: Sir. 14, 1.
6: Die Übersetzung schließt sich an die Vermutung an, daß ἐν τῳ λαλῆσαι μηδένα λυπήσας der richtige Text ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger