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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
VII. Kapitel. Wovor sich die hüten müssen, die anständig zusammenleben wollen.

60.

1. Das Schnalzen und das Pfeifen und die mit den Fingern hervorgebrachten Geräusche, womit man die Diener herbeizurufen pflegt, sind lauter unvernünftige Zeichen und müssen deshalb von vernünftigen Menschen vermieden werden. Unterlassen muß man aber auch das fortwährende Ausspucken und das laute Sichräuspern; [S. 69] auch soll man sich während des Trinkens nicht schneuzen.1 Denn man muß doch auch auf die anderen, die an dem Gastmahl mit teilnehmen, acht geben, damit sie nicht aus Ekel ein solches unanständiges Benehmen verabscheuen, das Mangel an Selbstbeherrschung verrät. Denn nicht wie bei den Ochsen und Eseln ist Kripne und Miststätte am gleichen Ort; (man könnte das denken;) denn viele schneuzen sich und spucken aus und essen, alles zusammen zur gleichen Zeit.

2. Wenn man aber einmal niesen muß oder es einem aufstößt, so soll man nicht mit lautem Schall den Nachbarn die Ohren ergellen lassen und damit beweisen, daß es einem an der rechten Erziehung fehlt; vielmehr muß man das Aufstoßen mit der ausströmenden Luft langsam vorübergehen lassen, wobei man den Mund in eine anständige Form bringt, nicht aber wie die Masken im Trauerspiel auseinanderzieht und weit aufreißt.

3. Beim Niesen aber muß man den störenden Lärm vermeiden, indem man den Atem leise zurückhält; denn auf diese Weise kann man am schicklichsten verhindern, daß die Luft auf einmal gewaltsam herausbricht, und ihr Ausströmen regeln, so daß es womöglich auch unbemerkt bleibt, wenn die Luft beim raschen Herausströmen auch etwas Schleim mit sich herausführt. Dagegen ist es ein Zeichen von Anmaßung und Unerzogenheit, wenn man diese Geräusche noch verstärken will, statt sie zu unterdrücken,

4. Diejenigen aber, die in den Zähnen stochern und das Zahnfleisch zum Bluten bringen, sind sich selbst zuwider und ihren Nachbarn verhaßt. Was ferner das Kitzeln in den Ohren und das künstliche Hervorrufen des Niesens betrifft, so sind das schweinische Reizungen, die eine Vorstufe zu schamloser Unzucht bilden. 5. Man muß es aber auch vermeiden, einen unschicklichen Anblick zu gewähren und ebenso unanständige Reden darüber zu führen. Ruhig soll auch der Blick sein und gesetzt die Drehung [S. 70] und Bewegung des Halses und die Bewegung der Hände bei der Unterhaltung. Denn überhaupt liebt der Christ Gelassenheit und Ruhe und Stille und Frieden.2

1: Vgl. Xenophon, Kyrop. I 2, 16; VIII 8, 8; Paid. II 21, 3.
2: Sacra Par. 202 Holl; Maximus Confessor in Laur. VII 15 f.251 r.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger