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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
V. Kapitel. Über das Lachen.

47.

1. Andererseits aber soll man nicht finster, sondern nur ernst sein.1 Mir gefällt deshalb jener sehr gut, der sich zeigte
„Lächelnd mit furchtbarem Antlitz.“
2 Denn „weniger lächerlich wird wohl sein Lachen sein“.3

2. Aber auch das Lächeln muß in Zucht gehalten werden; und wenn es sich um unanständige Dinge handelt, so müssen wir uns lieber errötend als lächelnd zeigen, damit wir nicht den Schein erwecken, daß wir die gleiche Gesinnung haben und uns deshalb auch daran freuen; wenn es sich aber um traurige Dinge handelt, so ziemt es sich mehr, daß wir niedergeschlagen aussehen, als daß wir uns darüber zu freuen scheinen; denn das eine ist ein Zeichen von menschlichem Empfinden, das andere [S. 58] läßt die Vermutung von Roheit aufkommen.

2. Man darf aber weder immer lachen (denn das ginge über das rechte Maß hinaus), noch in Gegenwart von älteren Leuten oder sonst welchen, die Rücksicht verdienen, es müßte denn sein, daß sie etwa selbst einen Scherz machen, um uns aufzuheiteren; man darf aber auch nicht jedem Beliebigen gegenüber lachen und nicht an jedem Orte und nicht allen zuliebe und nicht über alles. Vor allem aber birgt das Lachen für junge Leute und Frauen die Gefahr übler Nachrede in sich.

1: Vgl. Isokrates 1, 15.
2: Hom. Il. 7, 212.
3: Platon, Staat VII p. 518 B.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger