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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
IV. Kapitel. Wie man sich bei Gastmahlen unterhalten soll.

44.

1. Wie es aber angemessen ist, daß wir, bevor wir zu essen beginnen, den Schöpfer aller Dinge preisen, so geziemt es sich auch, daß wir ihm beim Trinken Psalmen singen, da wir die Gaben seiner Schöpfung genießen; denn auch der Psalm ist ein wohlklingender und verständiger Lobgesang; ein „geistliches Lied“ 1 hat der Apostel den Psalm genannt.

2. Und zuletzt, bevor wir einschlafen, ist es billig, daß wir Gott dafür danken, daß wir seine Gnade und Güte genießen durften, so daß wir auch in Gemeinschaft mit Gott zum Schlafen gehen. „Und preiset ihn mit Gesängen eurer Lippen“, so heißt es, „denn auf seinen Befehl geschieht alles, was ihm wohlgefällt; und es gibt kein Hemmnis für seine rettende Macht.“2

3. Aber auch bei den alten Griechen wurde bei den Trinkgelagen und den gefüllten Bechern 3 nach dem Vorbild der hebräischen Psalmen ein Lied, das sogenannte Skolion, gesungen, wobei alle zusammen einstimmig den Gesang anstimmten, manchmal aber auch der Reihe nach das Singen zugleich mit dem Zutrinken herumgehen ließen; und wer von ihnen in der Musik mehr geübt war, sang auch zur Leier. 4

4. Aber die [S. 55] Liebesgesänge sollen ganz fernbleiben; Preislieder auf Gott sollen die Gesänge sein. „Sie sollen seinen Namen preisen“, so heißt es, „im Reigentanz; mit Pauke und Harfe sollen sie ihm lobsingen.“ Und wer der singende Reigen ist, das wird dir der Geist selbst verkünden: „Sein Lobpreis ist in der Gemeinde der Heiligen; sie sollen frohlocken über ihren König.“ Und wieder fügt er hinzu; „Denn der Herr hat Wohlgefallen an seinem Volk.“5

5. Denn wir müssen auch nur die sittsamen von den Harmonien zulassen und von unserer kraftvollen Gesinnung die wahrhaft weichlichen Harmonien so weit als möglich wegjagen, die auf verschnörkelte Bildung der Töne eine verderbliche Kunstfertigkeit verwenden und so zu einem weichlichen und possenhaften Wesen ausarten; die ernsten und sittsamen Weisen dagegen geben dem übermütigen Gebaren der Trunkenheit den Abschied; daher müssen wir die chromatischen (nur in Halbtönen fortschreitenden) Harmonien den schamlosen Ausschweifungen der Trunkenheit und der Blumenkränze tragenden und buhlerischen Musik überlassen.

1: Eph. 5, 19; Kol. 3, 16.
2: Sir. 39, 15. 18.
3: Vgl. Xenophon, Symp. II 26.
4: Vgl. Plut. Moral, p. 615 B; Wendland, Quaest. Muson.
5: Ps 149 3. 1; 2. 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger