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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Zweites Buch
I. Kapitel. Wie man sich beim Essen benehmen soll.

10.

1. Wir müssen daher die Schlemmerei vermeiden und uns mit dem Wenigen, was wirklich notwendig ist, begnügen. 1 Und wenn uns jemand von den Ungläubigen einlädt und wir uns entschließen, hinzugehen (denn es ist gut, mit den Zuchtlosen nicht zu verkehren), 2 so befiehlt er (der Apostel) alles, was uns vorgesetzt wird, zu essen, „ohne wegen des Gewissens nachzufragen“; 3 ebenso gebot er aber auch die Waren auf dem Fleischmarkt ohne Bedenken einzukaufen. 4

2. Wir müssen uns also der verschiedenen Speisen nicht gänzlich enthalten; aber wir dürfen keinen besonderen Wert darauf legen; von den uns vorgesetzten Speisen sollen wir aber nehmen, wie es sich für einen Christen geziemt, indem wir den Gastgeber durch die unschädliche und sich in den richtigen Grenzen haltende Teilnahme an dem Gastmahl 5 ehren, aber die Kostbarkeit der aufgetragenen Gerichte für etwas Gleichgültiges halten und die Speisen verachten, die doch nach kurzem nicht mehr sind. 6

3. „Wer ißt, soll den nicht geringschätzen, der nicht ißt; und wer nicht ißt, soll über den nicht richten, der ißt.“ 7 Und ein wenig später wird er auch den Grund dieser Mahnung angeben, indem er sagt: „Wer ißt, der ißt für den Herrn und dankt Gott; und wer nicht ißt, der unterläßt es für [S. 19] den Herrn und dankt Gott.“ 8 Demnach ist die richtige Ernährung ein Danksagen; und wer immer Dank sagt, der hat keine Zeit für die Lüste.

4. Wenn wir aber auch einige von denen, die mit uns an dem Essen teilnehmen, zur Tugend aneifern wollen, so müssen wir um so mehr auf diese leckeren Gerichte verzichten und so uns selbst jenen Leuten als ein deutliches Beispiel der Tugend vor Augen stellen, wie wir selbst Christus als Vorbild hatten. „Denn wenn eine von diesen Speisen den Bruder zur Sünde verführt, so werde ich sie“, so heißt es, „in Ewigkeit nicht essen, damit ich meinen Bruder nicht zur Sünde verführe,“9 sondern mit ein wenig Enthaltsamkeit den Menschen gewinne.

5. „Haben wir denn nicht die Macht zu essen und zu trinken?“ 10 „Und wir haben die Wahrheit erkannt“, so heißt es, „daß es keinen Götzen in der Welt gibt, sondern wirklich nur ein einziger unser Gott ist, von dem alles ist, und ein einziger Herr Jesus.“ 11 Aber, so heißt es, „durch deine Erkenntnis wird dein Bruder, weil er schwach ist, ins Verderben gestürzt, um dessentwillen Christus gestorben ist. Diejenigen aber, die das Gewissen der schwachen Brüder mißhandeln, sündigen gegen Christus.“12

6. So macht der Apostel aus Fürsorge für uns einen Unterschied bei den Mahlzeiten und sagt: „Man soll keinen Verkehr haben, wenn einer, der sich Bruder nennt, als Unzüchtiger oder Ehebrecher oder Götzendiener erfunden wird, und soll mit diesem auch nicht zusammen essen,“ 13 das heißt weder Gespräch noch Mahlzeit mit ihm haben, da der Apostel die von hier kommende Befleckung ebenso wie auch „die Tische der Dämonen“ 14 beargwöhnt.

1: Vgl. Just. Ep. ad Zen. et Ser. 13.
2: Vgl. 2 Thess. 3, 6. 11. 14.
3: Vgl. 1 Kor. 10, 27.
4: Vgl. ebd. 10, 25.
5: Vgl. Aischylos, Eumen. 285 (ἀβλαβὴς ξυνουσία).
6: Vgl. Isid. v. Pelus. Ep. I 361.
7: Röm. 14, 3.
8: Röm. 14, 6.
9: 1 Kor. 8, 13.
10: Ebd. 9, 4.
11: Ebd. 8, 4. 6. Zu den Worten „wir haben die Wahrheit erkannt“ vgl. 1 Tim. 4, 3.
12: 1 Kor. 8, 11 f.
13: Ebd. 5, 11.
14: Ebd. 10, 21.

 

 

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