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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Erstes Buch
IX. Kapitel. Daß wohlzutun und gerecht zu strafen Sache der gleichen Macht und was in dieser Hinsicht die Erziehungsweise des Logos ist.

78.

1. VORWURF (ἐπίπληξις) ist ein scharf treffender Verweis oder ein scharfer Tadel. Der Erzieher wendet aber auch diese Behandlungsweise an, wenn er durch [S. 274] Jesaias sagt: „Wehe über euch, ihr abtrünnigen Kinder! Dies sagt der Herr: Ihr habt einen Plan gemacht ohne mich und Bündnisse nicht nach meinem Sinn.“ 1 Als herbstes, bitter schmeckendes Mittel verwendet er in jedem Fall die Furcht, indem er durch sie das Volk zugleich empfindlich reizt und es nötigt, sich nach dem Heil umzukehren, wie ja auch die Wollen beim Färben zuerst gebeizt und dadurch für eine dauerhafte Aufnahme der Farbe zubereitet zu werden pflegen,

2. ZURECHTWEISUNG (ἔλεγχος) ist ein Tadelwort, das die Sünden an die Öffentlichkeit bringt. Diese Art der Erziehung wendet er als notwendig vor allem wegen der Schlaffheit des Glaubens der Menge an. Denn er sagt durch Jesaias: „Ihr habt den Herrn verlassen und den Heiligen Israels erzürnt.“ 2 Er sagt aber auch durch Jeremias: „Es entsetzte sich darüber der Himmel und erschauderte über die Maßen die Erde; denn zweierlei Böses hat dies Volk getan: Mich verließen sie, die Quelle lebendigen Wassers, und machten sich Wassergruben, die voller Risse sind und kein Wasser werden halten können.“ 3

3. Und wiederum sagt er durch den nämlichen: „Eine Sünde hat Jerusalem begangen; deshalb wurde es zur unruhigen Meereswoge; alle, die es verherrlicht hatten, verachteten es, weil sie seine Schande gesehen hatten.“ 4

4. Das Strenge und Verletzende des Tadels läßt er durch Salomon in einem milderen Lichte erscheinen, wenn er auf die in der Erziehung sich kundgebende Liebe zu den Kindern, ohne sie ausdrücklich zu erwähnen, mit folgendem Wort hinweist: „Mein Sohn, verachte nicht die Erziehung des Herrn und werde nicht mutlos, wenn du von ihm gestraft wirst; denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; und er geißelt jeden Sohn, der ihm lieb ist;“ 5 denn „ein sündiger Mensch sucht der Zurechtweisung zu entgehen“. 6 Folgerichtig sagt demnach die Schrift: „Der Gerechte weise mich zurecht und züchtige [S. 275] mich; das Öl des Sünders aber soll mein Haupt nicht fettmachen.“ 7

1: Is. 30, 1.
2: Ebd. 1, 4.
3: Jer. 2, 12 f.
4: Klagel. 1, 8.
5: Sprichw. 3, 11 f.
6: Sir. 35, 17 (32,21).
7: Ps. 140, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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