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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)
Erstes Buch
VI. Kapitel. Gegen die Annahme, daß die Bezeichnung Kinder und Unmündige sich auf den Unterricht in den ersten Wissensgegenständen beziehe.

39.

1. Wenn aber einige uns mit der Behauptung entgegentreten wollen, daß die Milch die Anfangsgründe der Lehre bezeichne, da sie gleichsam die ersten Speisen seien, die feste Speise dagegen die geistlichen Erkenntnisse, wobei sie sich selbst einen Platz auf der Höhenstufe der Gnosis zuschreiben, so sollen sie wissen, daß sie, wenn sie die Speise als feste Nahrung und als Fleisch und Blut Jesu bezeichnen, in ihrer hoffärtigen Weisheit in einen Widerspruch mit der einfachen Wahrheit geraten.

2.1 Denn das Blut erweist sich als das, was beim Menschen zuerst entsteht; und manche haben es sogar Urstoff der Seele zu nennen gewagt. 2 Dieses Blut verändert sich, wenn die Mutter ein Kind geboren hat, durch einen natürlichen Gärungsvorgang; und infolge der mitfühlenden zärtlichen Liebe verliert es seine rote Farbe und wird gewissermaßen wie im Alter weiß, damit sich das Kind nicht fürchte. Und im Unterschied vom Fleisch ist Blut flüssig, da es gleichsam flüssiges Fleisch ist; im Unterschied zum Blut aber ist die Milch nahrhaft und aus feineren Teilen zusammengesetzt.

3.3 Mag nun das der Frucht im Mutterleib zugeführte und ihm zuvor durch den mütterlichen Nabel zugeleitete Blut oder auch das monatliche selbst, dem der gewöhnliche Fluß versperrt ist, von dem alles ernährenden und [S. 240] erschaffenden Gott gezwungen werden, in einem natürlichen Zurückfließen zu den bereits anschwellenden Brüsten emporzusteigen und, durch einen warmen Hauch verändert, zu einer ersehnten Nahrung für das kleine Kind bereitet werden, in jedem Fall ist das sich Verändernde Blut. Denn von allen Gliedern stehen die Brüste in der engsten Beziehung zu der Gebärmutter. 4

4. Wenn nun bei der Geburt das Gefäß, durch das der Frucht das Blut zugeführt wurde, abgetrennt worden ist, so wird dem Blut dieser Weg verschlossen, und es nimmt seinen Lauf zu den Brüsten; und wenn der Zufluß stark geworden ist, dehnen sich diese aus, und das Blut verwandelt sich in Milch, 5 ähnlich der Verwandlung des Blutes in Eiter bei einer Verwundung.

5. Es mag auch sein, daß das Blut von den bei den Brüsten vorhandenen Adern, wenn sie sich infolge der Spannungen bei der Geburt erweitern, in die natürlichen Hohlräume der Brüste umgeleitet und dann mit der aus den benachbarten Arterien zuströmenden Luft vermischt wird; dabei bleibt zwar die zugrundliegende Beschaffenheit des Blutes unverändert, aber es wird, wie eine Woge aufwallend, weiß; und indem es durch eine derartige Brandung in Schaum verwandelt wird, bekommt es ein anderes Aussehen; es geht ihm dabei ähnlich wie dem Meer, das beim Hereinbrechen der Winde, wie die Dichter sagen, „der Salzflut Schaum ausspeit“; 6 aber auch in diesem Fall bleibt das Blut seinem Wesen nach Blut.

1: Zu 39, 2–40, 2 vgl. Apostol. V 19b; Arsenios p. 153 Walz.
2: Vgl. Galen V 283.
3: Zu 39, 3–40, 2 vgl. Plut. Mor. p. 495 D–496 A.
4: Vgl. Galen IV 176; XV 401.
5: Vgl. ebd. XV 402.
6: Hom. Il. 4, 426.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger