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Clemens von Alexandrien († vor 215/16)
Paidagogos
(Paedagogus)

Erstes Buch

I. Kapitel. Was der Erzieher verspricht.

1.

[S. 204] 1. Gelegt ist, ihr Kinder, der Grund der Wahrheit für uns selbst, das unerschütterliche Fundament der Erkenntnis des heiligen Tempels des großen Gottes, eine herrliche Ermahnung, ein Streben nach ewigem Leben durch vernunftgemäßen Gehorsam, auf geistigem Boden errichtet. Da sich nun bei dem Menschen diese drei finden, Gesinnungen, Handlungen, Gemütsbewegungen, so hat das ermahnende1 Wort die Gesinnungen des Menschen als sein Arbeitsfeld zugeteilt erhalten, als ein Führer zur Gottesfurcht; wie ein Schiffskiel bildet es die Unterlage für den Bau des Glaubens; in großer Freude über dieses Wort sagen wir uns feierlich von dem alten Wahn los und werden jung für das Heil, indem wir in das Loblied des Propheten einstimmen: „Wie gütig ist Gott gegen Israel, gegen die, welche geraden Herzens sind!“2

2. Die Leitung aller Handlungen aber hat das beratende, und die Gemütsbewegungen heilt das tröstende Wort. Es ist aber dies alles nur ein und dasselbe Wort, das den Menschen aus der ihm von Jugend an vertrauten weltlichen Gewohnheit herausreißt und ihn zu dem einzigartigen Heile des Glaubens an Gott erzieht.

3. Der Führer zum Himmel, das Wort, hieß, solange es zum Heile einlud, ermahnend (in besonderem Sinne ist es das Wort, das wegen eines Teils seiner Tätigkeit überhaupt ermunternd genannt wird; denn ermahnend [S. 205] ist die ganze Frömmigkeit, insofern sie in dem angeborenen Denkvermögen das Verlangen nach dem jetzigen und dem zukünftigen Leben erzeugt).

4. Jetzt aber ist es beides zugleich, sowohl heilend als beratend, indem auf die eine seiner Wirkungen die andere folgt; deshalb gibt es dem, der die Ermahnungen gehört hat, guten Rat und, was die Hauptsache ist, es verspricht die Heilung der in uns vorhandenen Leidenschaften. Wir wollen es aber mit einem einzigen, ihm angemessenen Namen „Erzieher“ nennen, da es ihm ja darauf ankommt, zum Handeln hinzuführen, nicht grundsätzliche Erwägungen anzustellen, wie es ja auch sein Ziel ist, die Seele besser, nicht sie klüger zu machen und zu einem sittsamen, nicht zu einem gelehrten Leben den Weg zu weisen.

1: Die Unterscheidung zwischen ermahnender, beratender, tröstender und belehrender Rede wird von Seneca, Epist. 95, 65, auf Poseidonios zurückgeführt.
2: Ps. 72, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger