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Augustinus (354-430) - Enchiridion oder Buch vom Glauben, von der Hoffnung und von der Liebe (De fide, spe et caritate)

32. Kapitel: Die Liebe ist der Endzweck aller Gebote, Gott aber ist die Liebe

121. Es zielen demnach alle Gebote Gottes auf die Liebe ab, von der der Apostel sagt: „Der Endzweck des Gebotes aber ist die Liebe aus reinem Herzen und gutem [S. 501] Gewissen und unverfälschtem Glauben1.“ Eines jeden Gebotes Endzweck ist also die Liebe, d. h. auf die Liebe zielt jedes Gebot ab. Was aber nur aus Furcht vor Strafe oder in irgendeiner bloß fleischlichen Absicht geschieht, so daß es nicht auf jene Liebe abzielt, die der Heilige Geist in unsere Herzen ausgießt2, das geschieht noch nicht so, wie es geschehen soll, und wenn es auch noch so sehr den Anschein davon erweckt. Die Liebe nun ist eine doppelte: eine Liebe zu Gott und eine Liebe zum Nächsten; an diesen beiden Geboten hängt bekanntlich das ganze Gesetz und die Propheten3. Nimm noch das Evangelium und (die Lehre der) Apostel hinzu; denn nur dort steht es geschrieben, daß der Endzweck des Gebotes die Liebe ist4 und daß Gott die Liebe ist5. Alle Gebote Gottes, also z. B. das: „Du sollst nicht ehebrechen6“, und all das, was er zwar nicht gebietet, sondern nur als geistlichen Rat ans Herz legt, z. B.: „Gut ist es für den Mann, kein Weib zu berühren7“, wird dann in rechter Weise beobachtet, wenn es auf die Gottesliebe und um Gottes willen auf die Nächstenliebe in diesem und im kommenden Leben abzielt: und zwar wird Gott hienieden geliebt im Glauben, dort (im Jenseits) aber im Schauen; und auch der Nächste wird hienieden geliebt im Glauben. Denn wir Sterblichen kennen das Herz der Sterblichen nicht; im Jenseits aber „wird der Herr das in Finsternis Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen; und dann wird einem jeden sein Lob werden von Gott8“. Das wird dann ein Mitbruder am anderen loben und lieben, was von Gott selbst ans Licht gebracht werden wird, auf daß es nicht verborgen bleibe. Es nimmt aber die Begierlichkeit ab mit dem Wachstum der Liebe, bis sie schließlich ihre höchstmögliche Größe erreicht [S. 502] hat: „Eine größere Liebe hat aber niemand, als daß er sein Leben hingebe für seine Freunde9.“ Wie groß aber im Jenseits die Liebe sein wird, wo es doch keine Begierlichkeit mehr gibt, die sie siegreich in Schranken halten müßte, wer möchte das klar machen wollen? Es herrscht ja doch völliges Gesundsein, wo der Tod gar nichts mehr hat, was er streitig machen könnte.

1: 1 Tim. 1, 5.
2: Röm. 5, 5.
3: Matth. 22, 40.
4: 1 Tim. 1, 5.
5: 1 Joh. 4, 16.
6: Exod. 20, 14; vgl. Matth. 5, 27.
7: 1 Kor. 7, 1.
8: Ebd. [1 Kor.] 4, 5.
9: Joh. 15, 13.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Enchiridion d.h. Handbüchlem für den Laurentius oder Buch vom Glauben, von der Hoffnung und von der Liebe
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger