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Augustinus (354-430) - Vom Glauben und von den Werken (De fide et operibus)

8. Kapitel: Die erste Predigt des heiligen Petrus bezeugt die Notwendigkeit der Buße und der Abkehr vor der Welt für alle, die getauft werden wollen

12. "Aber in der Apostelgeschichte", sagen sie, "hat Petrus jene dreitausend Leute, die sich auf sein Wort hin an einem Tage taufen ließen, nur so angeredet, daß er allein den Glauben an Christus predigte." Aber er antwortete ihnen doch auf ihre Frage: "Was sollen wir tun?" mit den Worten: "Tut Buße und ein jeder von euch lasse sich taufen im Namen dos Herrn Jesus Christus zur Vergebung seiner Sünden und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen1 !" Warum beachten sie also die Worte nicht: "Tut Buße!"? Darin ist nämlich die Forderung enthalten, das alte Leben auszuziehen, damit man in der Taufe ein neues anziehen könne. Wem soll aber eine Buße fruchten, die dann nur über tote Werke geübt wird, wenn einer im Ehebruch verharrt oder in anderen bösen Taten, in denen die Liebe zur Welt sich ergeht?

13. "Aber", sagen sie, "Christus wollte ja überhaupt nur, sie sollten Buße tun für den Unglauben gegen ihn." Merkwürdige Voreingenommenheit, um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen! Mit dem Worte "Tut Buße!" sind also nur Werke des Unglaubens gemeint! Und doch soll nach der Lehre des Evangeliums das alte Leben in ein neues verwandelt werden. Dazu gehört doch gewiß auch jene Stelle, wo der Apostel sagt: "Wer gestohlen hat, der stehle weiterhin nicht mehr2 !" und all die anderen, in denen er auseinanderlegt, was es heiße, den alten Menschen aus- und einen neuen anzuziehen.

Aber selbst in den Worten des Petrus hätten sie bei einiger Sorgfalt und Aufmerksamkeit etwas finden können, was für sie beherzigenswert wäre: denn seinen Worten: "Tut Buße und ein jeder von euch lasse sich taufen im Namen des Herrn Jesus Christus zur Vergebung seiner Sünden und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen; denn uns gilt die Verheißung und unseren Kindern und allen, die ferne sind, soviele ihrer der Herr, unser Gott, berufen hat3 ", fügte der Verfasser des Buches4 sofort noch die Bemerkung hinzu: "Auch noch mit vielen anderen Worten gab Petrus Zeugnis, indem er sprach: 'Reißet euch los von dieser verkehrten Welt!' Jene aber nahmen seine Worte sehr gierig auf und glaubten und ließen sich taufen; und es wurden an diesem Tage [der Gemeinde] an dreitausend Seelen hinzugefügt5 ." Wer sähe da nicht ein, daß Petrus mit den vielen anderen Worten, die vom Verfasser der Kürze halber nicht wiedergegeben sind, darauf hinzielte, sie sollten sich von dieser verkehrten Welt losreißen; denn das ist ja in knapper Form die Grundlehre dessen, was er ihnen mit vielen Worten nahebringen wollte. Der Satz: "Reißet euch los von dieser verkehrten Welt!" ist eben der Hauptinhalt seiner Worte. Um dies Ziel zu erreichen, gab Petrus mit mehreren Worten Zeugnis. Diese umfaßten die Verurteilung der toten Werke, welche die Liebhaber dieser Welt ruchlos verüben, und die Empfehlung eines guten Lebens, das eben jene treu einhalten sollen, die sich von dieser verkehrten Welt losreißen. Meine Gegner sollen demnach nur die Behauptung aufzustellen wagen, der reiße sich von der verkehrten Welt los, der nur fest an Christus glaubt, sonst aber in allen möglichen Lastern verharrt und selbst den Ehebruch feierlich6 gelobt. Ist aber eine solche Behauptung sündhaft, dann sollen aber auch die Täuflinge nicht bloß zu hören bekommen, was sie zu glauben haben, sondern auch, wie sie sich von dieser verkehrten Welt losreißen können. Schon in diesem Zeitpunkt müssen sie hören, wie sie als Gläubige einmal [nach der Taufe] zu leben haben.

1: Apg. 2, 38.
2: Eph. 4, 28.
3: Apg. 2, 38 f.
4: Nämlich der hl. Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte.
5: Apg. 2, 40 f.
6: Gewissermaßen durch ßein Taufgelübde.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vom Glauben und von den Werken

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