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Augustinus (354-430) - Vom Glauben und von den Werken (De fide et operibus)

24. Kapitel: Christliche Freiheit ist nicht eine Freiheit ungezügelter Sinnenlust; würde sie so mißbraucht, so wäre das schlimmer als der Unglaube der Heiden

Es heißt nicht: Die ohne den Glauben gesündigt haben, werden ohne den Glauben auch zugrunde gehen; die aber im Glauben gesündigt haben, werden durch ihren Glauben auch gerichtet werden; nein, es ist vielmehr von der Sünde "ohne Gesetz" und von der Sünde "im Gesetz" die Rede. Daraus geht doch ganz deutlich hervor, daß da eine zwischen Heiden und Juden, nicht aber eine zwischen guten und bösen Christen schwebende Frage berührt wird1 .

45. Aber selbst wenn jene Leute höchst unpassend und töricht an jener Stelle den Glauben für das Gesetz nehmen wollen, so können sie auch hieraus nur die ganz deutliche Ansicht des Apostels Paulus lesen. Dieser sprach von denen, welche die Worte der Schrift: "Wir sind [als Angehörige des Neuen Testamentes] nicht Söhne der Dienstmagd, sondern Söhne der Freien; Christus aber ist es, der mit dieser Freiheit uns befreit hat2 ", zugunsten der Fleischeslust gedeutet, zum Deckmantel ihrer Bosheit gemacht3 und geglaubt hatten, das heiße frei leben, daß sie im Gefühl ihrer sicheren Erlösung alles tun dürften, was ihnen beliebte. Dabei achteten sie aber nicht auf das Wort [des heiligen Paulus]: "Ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder! Sehet zu, daß ihr diese Freiheit nicht zum Anlaß für fleischliche Sünden mißbraucht4 !" Daher sagt auch Petrus selbst: "Ihr seid frei, freilich nicht wie solche, die in ihrer Freiheit nur den Deckmantel ihrer Bosheit sehen5 ." Von solchen Leuten sagt er auch in seinem zweiten Brief: "Sie sind wasserleere Brunnen, vom Sturm getriebene Nebelwolken, die Finsternis der Hölle ist ihnen vorbehalten. Sie halten hochtrabende, alberne Reden und verlocken durch ihre fleischlichen Lüste und Liederlichkeiten jene, die sich eben erst vom Irrtum [der heidnischen Gesellschaft] losgesagt haben. Sie verheißen ihnen Freiheit, wiewohl sie selbst Sklaven des Verderbens sind. Denn von dem jemand überwältigt ist, dessen Sklave ist er auch. Wenn nun solche, die kaum den Unlauterkeiten der Welt durch die Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus entronnen sind, sich wieder von ihren Reizen umgarnen lassen, so sind die letzten Dinge bei ihnen ärger geworden als die ersten6 . Es wäre für sie wahrlich besser gewesen, sie hätten Christus, den Weg der Gerechtigkeit, gar nicht kennen gelernt, als daß sie nach seiner Erkenntnis dem ihnen mitgeteilten heiligen Gebote wieder untreu geworden sind. So aber ist es ihnen gegangen, wie ein wahres Sprichwort sagt: "Der Hund kehrt zurück zu dem, was er gespien hat, und die Sau, eben abgeschwemmt, wälzt sich aufs neue im Kote7 ." Warum verspricht man nun trotz dieser doch so deutlichen Wahrheit denjenigen ein besseres Los, die den Weg der Gerechtigkeit, d.h. Christus den Herrn, erkannt haben und trotzdem ein verworfenes Leben führen? Hätten sie ihn doch lieber gar nicht kennen gelernt! Denn ganz klar heißt es ja doch: "Besser wäre es für sie gewesen, sie hätten den Weg der Gerechtigkeit überhaupt nicht kennen gelernt, als daß sie, nach seiner Erkenntnis, dem ihnen mitgeteilten heiligen Gebote wieder untreu geworden sind8 .

1: Dieser Satz gehört noch zum vorhergehenden Kapitel.
2: Gal. 4,31.
3: 1 Petr. 2,16.
4: Gal. 5,13.
5: 1 Petr. 2,16.
6: Matth. 12, 45.
7: Der erste Teil stammt aus Sprichw. 26,11, der zweite Teil ist ein Volkssprichwort. — Das ganze Zitat steht bei 2 Petr. 2,17 mit 22.
8: 2 Petr. 2,21.

 

 

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Einleitung: Vom Glauben und von den Werken

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger