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Augustinus (354-430) - Vom Glauben und von den Werken (De fide et operibus)

21. Kapitel: Unter den vielen Gläubigen der apostolischen Zeit mögen sich recht wohl auch Ehebrecher und Dirnen befunden haben; doch ist damals gewiß niemand aufgenommen worden, als wer sich von toten Werken bekehrte, weil nur der in Liebe tätige Glaube die Verheißung des Lebens hat

37. "Aber", sagen sie, "unter jenen dreitausend Menschen, welche die Apostel an einem Tage getauft haben, und unter den viel tausend Gläubigen, womit der Apostel von Jerusalem bis nach Illyrien das Evangelium erfüllte1 , waren gewiß auch Männer, die mit fremden Weibern, und Weiber, die mit fremden Männern verbunden waren: an denen hätten doch die Apostel für die Kirche eine Regel zur Beobachtung festsetzen müssen, damit man wisse, ob man solche Leute zur Taufe zulassen solle, wenn sie nicht zuerst ihren Ehebruch wieder gut machten."Aber ebenso gut könnte man ihnen gegenüber auch behaupten, man finde auch niemanden erwähnt, der trotz eines Ehebruches zugelassen worden sei. Oder könnten vielleicht in endloser Reihenfolge die Verbrechen eines jeden einzelnen Menschen aufgezählt werden oder gilt nicht vielmehr vollauf die bekannte Hauptregel, die Petrus in klaren Worten den Täuflingen bezeugt, wenn er sagt: "Reißt euch los von dieser verkehrten Welt2 !" Wer wollte aber nun bezweifeln, daß Ehebruch und hartnäckige Sünder zu dieser verkehrten Welt gehören? Geradeso gut könnte man aber auch sagen, daß unter den vielen Tausenden von Gläubigen aus allen Völkern sich wohl auch öffentliche Dirnen hätten finden können, die jede Kirche erst dann zur Taufe zuläßt, wenn sie ihr schändliches Gewerbe aufgeben, und daß die Apostel auch über deren Zulassung oder Abweisung Beispiele hätten aufstellen müssen. Aber immerhin haben wir kleinere Beispiele, von denen wir auf größere schließen können. Wenn nämlich den Zöllnern, die zur Johannestaufe kamen, verboten wurde, mehr als die festgesetzte Abgabe zu verlangen3 , dann wäre es doch sonderbar, wenn denen, die zur Taufe Christi kommen, der Ehebruch gestattet sein könnte.

38. Auch auf die Israeliten weisen meine Gegner hin, die gleichfalls viele schwere Verbrechen begangen, sogar viel Prophetenblut vergossen und doch nicht wegen dieser Untaten, sondern einzig und allein wegen ihres Unglaubens, weil sie nicht an Christus glauben wollten, den völligen Untergang verdient hätten. Sie übersehen aber dabei, daß die Sünde der Juden nicht bloß darin bestand, daß sie an Christus nicht glaubten, sondern auch darin, daß sie Christus sogar töteten. Gewiß liegt da das Verbrechen des Unglaubens vor, aber dazu auch noch das der Grausamkeit: das erstere verstößt wohl gegen den rechten Glauben, das andere aber gegen einen guten Lebenswandel. Keine aber von diesen Sünden darf der haben, der den Glauben an Christus haben will, sonst besitzt er eben nur einen Glauben, der ohne die Werke tot ist, so wie man ihn auch bei den Teufeln findet4 , nicht aber den Glauben der Gnade, der durch die Liebe wirkt5 .

Dies ist der Glaube, von dem es heißt: "Das Himmelreich ist in euch6 ", und jene reißen es an sich, die Gewalt gebrauchen7 durch den Glauben, weil sie den Geist der Liebe sich verschaffen, in der die Fülle des Gesetzes wohnt8 , ohne die aber auch die buchstäbliche Beobachtung des Gesetzes der Übertretung schuldig macht. Man darf darum nicht glauben, darum heiße es: "Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die Gewalt gebrauchen, reißen es an sich9 ", weil auch die Schlechten ins Himmelreich gelangen können, wenn sie nur glauben, dabei aber ein ganz schlechtes Leben führen, sondern vielmehr deshalb, weil die Schuld der Übertretung, die man durch das bloße Gebot des Gesetzes, das heißt des Buchstaben ohne den Geist, auf sich lädt, durch den Glauben abgeschüttelt wird und weil durch starken Glauben der Heilige Geist erlangt wird, durch den die Liebe in unser Herz ausgegossen10 und das Gesetz nicht mehr aus Furcht vor Strafe, sondern aus Liebe zur Gerechtigkeit erfüllt wird.

1: Röm. 15,19.
2: Vgl. Apg. 2,40.
3: Vgl. Luk. 3,13.
4: Jak. 2,19f.
5: Gal. 5,6.
6: Luk. 17,21.
7: Matth. 11,12.
8: Röm. 13,10.
9: Matth. 11,12.
10: Röm. 5,5.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vom Glauben und von den Werken

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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