Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Vom Glauben und von den Werken (De fide et operibus)

12. Kapitel: Götzendienst ist nicht schlechter als Ehebruch; und doch werden unverbesserliche Götzendiener nicht einmal zum Katechumenat, geschweige denn zur Taufe zugelassen

18. Wenn also jemand mit der Bitte um Zulassung zum Sakramente der Wiedergeburt käme, jedoch ganz offen erklärte, von seinem Götzendienst werde er aber trotzdem erst ablassen, wenn es ihm selbst beliebe, und wenn dieser Mensch gar inständig nach der Taufe verlangte und von ganzem Herzen ein Tempel des lebendigen Gottes werden wollte, obwohl er nicht bloß ein Götzendiener ist, sondern in seinem so ruchlosen Götzendienst auch verharrt: da möchte ich wissen, ob meine Gegner dafür wären, einen solchen Mann auch nur zum Katechumenen zu machen. "Nein,'' würden sie schreien, "so etwas darf auf keinen Fall geschehen." Und wirklich läßt sich von ihrem Verstand auch gar keine andere Entscheidung erwarten.

Aber nun sollen sie auch an der Hand der Schriftstellen, die sie in der erwähnten Weise verstanden wissen wollen, den Beweis dafür erbringen, was sie eigentlich dazu berechtigt, ihm zu widersprechen und ihn nicht [zur Taufe] zuzulassen, obgleich er dagegen mit den Worten protestiert: "Ich habe Christus den Gekreuzigten kennen gelernt und verehre ihn; ich glaube, daß Christus Jesus der Sohn Gottes ist; halte mich nicht länger auf und verlange nichts weiter von mir! Hat ja doch auch der Apostel von denen, die er durch das Evangelium zeugte, nichts anderes gefordert als die Kenntnis von Christus dem Gekreuzigten; und nach der lauten Beteuerung des Eunuchen, er glaube, daß Jesus Christus der Sohn Gottes sei, taufte ihn Philippus sogleich auf der Stelle. Was willst du also mich von meinem Götzendienst abhalten und läßt mich nicht eher zum Sakramente Christi zu, als bis ich diesen aufgegeben habe? Ihn kenne ich schon von meiner Jugendzeit her, die unabwälzbare Gewalt der Gewohnheit läßt mich nicht anders handeln. Ich will ihn aufgeben, wenn ich einmal kann und wenn es mir bequem ist; doch selbst wenn ich es nicht tue, so will ich doch nicht ohne das Sakrament Christi dies mein Leben beenden, damit Gott meine Seele nicht aus deinen Händen verlange." Was soll man wohl einem solchen Menschen antworten? Soll er vielleicht aufgenommen werden? Das sei ferne! So weit dürften meine Gegner wohl sicher nicht gehen.

Was werden wir ihm also antworten, wenn er so spricht und wenn er gar noch weiter hinzufügt, man hätte ihm wenigstens vor der Taufe nichts von einer Verwerfung des Götzendienstes sagen sollen; denn auch jenes erste Volk habe vor seinem Durchzug durch das Rote Meer nichts davon gehört, da es ja sein hierauf bezügliches Gesetz erst nach seiner Befreiung aus Ägypten erhalten habe. Gewiß werden sie diesem Menschen antworten: "Dann wirst du ein Tempel Gottes sein, wenn du die Taufe empfangen hast"; der Apostel aber sagt: "Welche Verbindung hat der Tempel Gottes mit den Götzen1 ?"

Aber warum begreifen dann diese Leute nicht, daß man geradeso sagen muß: "Du willst nach Empfang der Taufe ein Glied Christi sein? Glieder Christi aber können doch nicht Glieder einer Dirne sein!" Denn auch dies spricht der Apostel aus, wenn er an einer anderen Stelle sagt: "Gebt euch keiner Täuschung hin! Weder Hurer noch Götzendiener", und was er dort sonst noch aufzählt, "werden das Reich Gottes besitzen2 ." Warum lassen wir also Götzendiener nicht zur Taufe zu, während wir Hurer zulassen zu können glauben? Und doch sagt der Apostel von diesen und allen anderen Sündern: "Solche Sünder sind auch einige unter euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, geheiligt und gerechtfertigt im Namen unseres Herrn Jesus Christus und im Geiste unseres Gottes3 ." Was liegt also für ein Grund dafür vor, daß ich, wenn ich beide [von der Taufe] abweisen kann, den um die Taufe bittenden Hurer bleiben lasse, den Götzendiener aber abweise? Es ist ja doch, soviel ich höre, zu einem jeden von ihnen gesagt worden: "Und solche Sünder seid auch ihr gewesen, aber ihr seid abgewaschen."

Aber meine Gegner veranlaßt zu ihrer Meinung der Glaube, daß, wenn auch nur durch Feuer, das Heil derer gesichert sei, die an Christus glauben und sein Sakrament empfangen, d. h. getauft sind, und das selbst dann, wenn sie sich so wenig um die Besserung ihrer Sitten kümmern, daß sie ein schlechtes Leben führen. Doch was man nach der Schrift davon zu halten hat, das werde ich mit Gottes Hilfe bald sehen.

1: 2 Kor. 6,16
2: 1 Kor. 6,9f.
3: Ebd. 6,11.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vom Glauben und von den Werken

Navigation
. . Mehr
. . 4. Kapitel: Ungesunde ...
. . 5. Kapitel: Im Interesse ...
. . 6. Kapitel: Die Unterw...
. . 7. Kapitel: Aus der ...
. . 8. Kapitel: Die erste ...
. . 9. Kapitel: Das Beispiel ...
. . 10. Kapitel: Die Worte ...
. . 11. Kapitel: Die Tatsache, ...
. . 12. Kapitel: Götzendienst ...
. . 13. Kapitel: Johannes ...
. . 14. Kapitel: Der Apostel ...
. . 15. Kapitel: Die Stelle ...
. . 16. Kapitel: Der heilige ...
. . 17. Kapitel: Unverbess...
. . 18. Kapitel: Daß schl...
. . 19. Kapitel: Unbußfer...
. . 20. Kapitel: Nur wer ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger