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Augustinus (354-430) - Vom Glauben und von den Werken (De fide et operibus)

11. Kapitel: Die Tatsache, daß die Israeliten noch vor der Gesetzgebung auf dem Sinai durch das Rote Meer gingen, spricht auch nicht für eine unbedingte Zulassung zur Taufe

17. "Aber das Volk Israel wurde zuerst durch das Rote Meer geführt, was doch ein Vorbild der Taufe war, und erst dann empfing es das Gesetz, um zu lernen, wie es zu leben habe." Warum übergeben wir denn den Täuflingen das Symbolum1 und fordern seine Wiedergabe? Denen gegenüber, die Gott durch das Rote Meer geführt und so aus der Gewalt der Ägypter befreit hat, ist doch dergleichen nicht geschehen? Das sehen nun meine Gegner wohl ein, daß diese Handlung durch das vorausgehende Geheimnis der Besprengung der Türpfosten mit dem Blute des Lammes und der ungesäuerten Brote der Reinheit und Wahrheit angedeutet wurde. Warum begreifen sie dann folgerichtig nicht auch, daß die Trennung von den Ägyptern das Aufgeben der Sünden bedeute, das die Täuflinge geloben? Hierher gehört nämlich das Wort des Petrus: "Tut Buße und ein jeder von euch lasse sich taufen im Namen unseres Herrn Jesus Christus2 !" Das ist geradeso, als wollte er sagen: "Weichet von Ägypten und geht durch das Rote Meer!" Darum ist auch im sogenannten Hebräerbrief bei Erwähnung der für Täuflinge notwendigen Anfangsgründe die Bekehrung von den toten Werken verlangt. Es heißt dort nämlich: "Sehen wir jetzt einmal ab von den Anfangsgründen des christlichen Unterrichtes und schauen wir mehr auf die geistliche Reife [im Glauben], damit wir nicht immer von neuem den Grund [unseres geistigen Lebens] legen müssen mit der Bekehrung von den toten Werken, mit dem Glauben an Gott, mit dem Unterricht von der Taufe, von der Auflegung der Hände [bei der Firmung], von der Auferstehung der Toten und vom ewigen Gericht3 !" Dies alles gehört nämlich nach dem ausführlichen und klaren Zeugnis der Heiligen Schrift zu den Anfangsgründen der Neugetauften. Was will aber der Ausdruck "sich von den toten Werken bekehren" anders sagen als Abwendung von solchen Werken, die man ertöten muß, wenn man leben will? Wenn darunter aber Ehebruch und Unzucht nicht verstanden werden sollen, dann weiß ich nicht, was man wirklich tote Werke heißen soll.

Was soll aber das Gelöbnis, solche Sünden aufzugeben, helfen, wenn nicht auch alle früher begangenen Sünden, die den Sünder sozusagen verfolgen, durch das Bad der Wiedergeburt getilgt werden? War es ja doch auch für die Israeliten nicht genügend, bloß Ägypten zu verlassen: nein, es mußte das sie verfolgende Heer der Feinde in den Fluten des Meeres umkommen, während es dem Volke Gottes zu seinem Übergang und zu seiner Befreiung offen stand. Wenn sich also einer ganz offen weigert, sich von seinem Ehebruch zu bekehren, wie soll der durch das Rote Meer geführt werden können, wenn er es standhaft ablehnt, Ägypten zu verlassen? Sodann beachten sie gar nicht, daß das erste Gebot jenes Gesetzes, das dem Volke nach seinem Durchzug durch das Rote Meer gegeben wurde, lautet: "Du sollst keine fremden Götter neben mir haben; du sollst dir keine Götzen machen, noch irgendein Bild von all dem, was oben am Himmel und was unten auf der Erde und was im Wasser und unter der Erde ist; solches sollst du nicht anbeten und ihm nicht dienen4 !" und was sonst noch zu diesem Gebote gehört. Da sollen jetzt meine Gegner nur gefälligst gegen ihre eigene Behauptung die Ansicht verteidigen, auch vom Dienste des einen Gottes und von der Vermeidung des Götzendienstes dürfe man nicht den Täuflingen, sondern nur den schon Getauften predigen. Nein, sie dürfen jetzt nicht mehr behaupten, den Täuflingen dürfe man nur den Glauben an Gott einschärfen und erst nach Empfang des Sakramentes [der Taufe] dürften sie über die Sittengebote gemäß dem zweiten, von der Nächstenliebe handelnden Gebot unterwiesen werden. Denn beides enthält jenes Gesetz, welches das Volk nach seinem Durchzug durch das Rote Meer gleichsam wie nach seiner Taufe erhielt. Auch erfolgte die Verteilung der Gebote nicht so, daß das Volk vor seinem Durchzug durch jenes Meer zuerst über die Vermeidung des Götzendienstes unterrichtet wurde und erst nach demselben zu hören bekam, daß man Vater und Mutter ehren müsse, daß man nicht ehebrechen und töten dürfe und wie die übrigen Vorschriften zu einem guten und unschuldigen Lebenswandel noch heißen.

1: Vgl. Vorwort zur Abhandlung "Vom ersten katechetischen Unterricht" S. 230 dieses Bandes.
2: Apg. 2, 38.
3: Hebr. 6,1f.
4: Exod. 20,4.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vom Glauben und von den Werken

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