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Augustinus (354-430) - Vom Glauben und von den Werken (De fide et operibus)

2. Kapitel: Das Beispiel des Moses und des Apostels Paulus zeigt, daß trotz der Vermischung von Guten und Bösen in der Kirche die Strafe der Absetzung und Exkommunikation berechtigt ist

3. Wenn ich nun Leuten, die solches lehren, antworte, so stelle ich zu allererst die Berechtigung in Abrede, solche Zeugnisse der Heiligen Schrift, welche die Vermischung der Guten und Bösen in der Kirche für die Gegenwart anzeigen oder für die Zukunft vorhersagen, so aufzufassen, daß sich jemand für gänzliche Aufhebung und Preisgabe einer strengen und sorgfältigen Beobachtung der kirchlichen Zucht ausspricht. Denn eine solche Meinung hat er nicht aus den heiligen Büchern gelernt, sondern die hat er sich auf Grund seines eigenen Gutdünkens fälschlich gebildet. Moses z. B. der Diener Gottes, ertrug zwar eine solche Vermischung beim ersten Volke sehr geduldig und doch bestrafte auch er viele mit dem Schwerte1 , und auch der Priester Phinees zückte sein zürnendes Schwert gegen diejenigen, die er auf dem Ehebruch ertappte2 . Da aber unter den Zuchtmitteln der Kirche das sichtbare Schwert verschwinden sollte, so sollen offenbar in unseren Tagen solche Strafen durch Absetzung und durch Exkommunikation ersetzt werden3 . Auch der heilige Apostel [Paulus], der doch inmitten falscher Brüder so geduldig seufzt4 und sogar gestattet, daß einige Christum predigen, obwohl sie vom Stachel eines teuflischen Neides gequält werden5 , glaubt den nicht schonen zu dürfen, der sich das Weib seines Vaters zur Frau genommen hat6 . Er läßt ihn vielmehr vor versammelter Gemeinde dem Satan zum Verderben des Fleisches übergeben, damit wenigstens seine Seele am Tage der Ankunft des Herrn Jesus gerettet werde. Ebenso hat er auch andere dem Satan übergeben, auf daß sie es lernten nicht zu lästern7 . Oder sagt er wohl umsonst: "Ich habe euch in meinem Brief geschrieben, mit schamlosen Menschen nicht zu verkehren, d.h. nicht mit allen Unzüchtigen, Habsüchtigen, Räubern oder Götzendienern der ganzen Welt überhaupt; da müßtet ihr ja wohl aus der Welt hinausgehen. Vielmehr, wenn ein Bruder [ein Christ], so schrieb ich euch, schamlos ist oder ein Götzendiener, oder habsüchtig oder ein Lästerer, ein Trunkenbold oder ein Räuber, so sollt ihr mit ihm nicht einmal zu Tische sitzen. [Andere Leute hatte ich nicht im Sinne.] Denn woher käme mir ein Urteil über solche zu, die außerhalb unserer Kirche stehen? Richtet nicht auch ihr nur über Gemeindemitglieder? Das Urteil über die Außenstehenden [die Heiden] wird Gott fällen. Böses aber sollt ihr von euch selbst entfernen8 . Hiebei verstehen einige die Worte "von euch selbst" so, daß jeder einzelne von seiner Person das Böse entfernen soll, d.h. daß er für sich selbst gut sei. Aber mag man's verstehen wie man will, ob so, daß dank der Strenge der Kirche die Bösen durch Exkommunikation gebessert werden sollen, oder so, daß jeder durch Strafe und Besserung das Böse von sich selbst entferne, jedenfalls hat die oben angeführte Stelle keinen zweifelhaften Sinn, wo er eine Gemeinschaft mit solchen Brüdern verbietet, die einem von den erwähnten Lastern frönen, also bekannte und berüchtigte Übeltäter sind.

1: Num. 25,5; Exod. 32,27.
2: Num. 25,6 ff.; vgl. Ps. 105,30 f.; 1 Mach. 2,26.
3: degradatio [depositio] bestraft zunächst den Kleriker, excommunicatio den Laien; bei neuen Verfehlungen trifft auch den Kleriker die Strafe der Exkommunikation.
4: 2 Kor. 11,26.
5: Phil. 1, 15.
6: 1 Kor. 5, 4.
7: So z. B. 1 Tim. 1,20 den Hymenaeus und Alexander.
8: 1 Kor. 5,9-13. — Der hl. Paulus versteht ganz unzweideutig unter malus den 1 Kor. 5,1 ff. erwähnten Blutschänder. Das lateinische malum in Vers 13 ist aber zweideutig und kann ebensogut ein acc. mascul. wie ein acc. neutr. sein. Nur bei dieser Doppelsinnigkeit des lateinischen Ausdruckes ist die vom hl. Augustinus hier erwähnte schwankende Auffassung der Stelle erklärlich.

 

 

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Einleitung: Vom Glauben und von den Werken

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger