Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

10.

Vor allem aber geziemte dies wahrhaft große Werk der Güte Gottes. Denn wenn schon ein König ein Haus oder eine Stadt, die er erbaut hat und dann wegen der Gleichgültigkeit der Einwohner von Räubern [S. 614] überfallen sieht, durchaus nicht ihrem Schicksal überläßt, sondern als sein Werk verteidigt und rettet, wobei er nicht auf die Lässigkeit der Bewohner, sondern auf das sieht, was sich für ihn ziemt, so hat noch weit weniger der göttliche Logos des allgütigen Vaters das von ihm erschaffene Menschengeschlecht, das auf dem Weg zum Verderben war, seinem Schicksal überlassen. Vielmehr hat er den verschuldeten Tod mit der Opferung seines eigenen Lebens hinweggenommen, hat die Nachlässigkeit der Menschen durch seine Lehre wieder gut gemacht und die ganze Lage der Menschen durch seine Macht wieder in die rechte Ordnung gebracht. Das kann man auch beglaubigt hören von den Gottesmännern, die um die Person des Heilandes waren, wenn man in ihren Schriften die Worte liest: "Die Liebe Christi drängt uns, indem wir also urteilen: Ist einer für alle gestorben, so sind füglich alle gestorben. Nun aber ist er1 für alle gestorben, damit wir nicht mehr uns leben, sondern dem, der für uns gestorben und von den Toten auferstanden ist, unserem Herrn Jesus Christus"2. Und wieder: "Doch sehen wir den kurz unter die Engel Erniedrigten, Jesum, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt wegen seines Todesleidens, womit er durch die Gnade Gottes für einen jeden den Tod kosten wollte"3. Dann gibt er auch den Grund an, weshalb kein anderer als Gott der Logos selbst Mensch werden mußte, wenn er sagt: "Denn es ziemte sich für ihn, um dessentwillen alles und durch den alles ist, viele Kinder zur Herrlichkeit zu führen und deshalb den Urheber ihres Heils durch Leiden zu vollenden"4. Mit diesen Worten gibt er ja zu verstehen, daß es keinem anderen zukam, die Menschen aus dem verhängten Verderben zu erretten als Gott dem Logos, der sie auch im Anfang geschaffen hat. Daß sodann der Logos einen Leib angenommen, um ihn als Opfergabe für die ihm ähnlichen Leiber darzubringen, auch das deuten sie an mit den Worten: "Da also die Kinder Fleisch und [S. 615] Blut gemeinsam haben, so nahm er in ähnlicher Weise auch daran teil, damit er durch den Tod den überwinde, der die Gewalt des Todes hatte, nämlich den Teufel, und die erlöste, die im Banne der Todesfurcht ihr Leben lang unter dem Joch der Knechtschaft standen"5. Denn mit der Opferung seines eigenen Lebens hat er dem Gesetz wider uns ein Ende gesetzt und uns einen neuen Anfang des Lebens gegründet, indem er uns die Hoffnung der Auferstehung gab. Weil ja der Tod durch Menschen(schuld) über die Menschen die Macht erhalten hatte, deshalb ist wieder durch die Menschwerdung Gottes des Logos des Todes Macht gebrochen worden und die Auferstehung des Lebens eingetreten. Sagt ja doch der Christusträger: "Denn wie durch einen Menschen der Tod, so durch einen Menschen die Auferstehung von den Toten. Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden usw."6. Jetzt sterben wir nicht mehr, um gerichtet zu werden, sondern mit der Bestimmung zur Auferstehung harren wir auf die gemeinsame Auferstehung aller, die Gott zu seiner Zeit schauen lassen wird, er, der sie auch bewerkstelligt und gewährt hat. Das also ist die erste Ursache der Menschwerdung des Erlösers. Doch auch aus folgendem mag man erkennen, daß seine gnädige Ankunft unter uns wohlbegründet war.

1: Christus.
2: 2 Kor. 5, 14. 15.
3: Hebr. 2, 9.
4: Hebr. 2, 10.
5: Hebr. 2, 14. 15.
6: 1 Kor. 15, 21. 22.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger