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Athanasius (295-373) - Über die Menschwerdung des Logos und dessen leibliche Erscheinung unter uns (De incarnatione Verbi)

54.

Wie also einer, der den von Natur unsichtbaren und überhaupt nicht sichtbaren Gott schauen will, ihn aus seinen Werken erkennt und begreift, so möge auch der, welcher Christum mit seinem Geiste nicht sieht, ihn wenigstens aus den Werken des Leibes erkennen und prüfen, ob es Menschen- oder Gotteswerke sind. Sind es Menschenwerke, dann mag er spotten; sind es aber nicht Menschen-, sondern Gotteswerke, dann soll er zur Einsicht kommen und nicht spotten über das, was keinen Spott verdient. Nein, er soll sich vielmehr wundern, daß uns das Göttliche durch eine so geringfügige Sache offenbar geworden ist, durch den Tod allen die Unsterblichkeit zuteil wurde und in der Menschwerdung des Logos die allwaltende Vorsehung und ihr Urheber und Schöpfer, der Logos Gottes, erkennbar wurde. Denn er wurde Mensch, damit wir vergöttlicht würden. Er offenbarte sich im Leibe, damit wir zur Erkenntnis des unsichtbaren Vaters gelangten; er ließ sich den Frevelmut seitens der Menschen gefallen, damit wir die Unsterblichkeit ererbten. Er erlitt ja für seine Person keinen Schaden, da er leidensunfähig und unverweslich, der Logos selbst und Gott war. Die leidende Menschheit aber, derentwegen er das auf sich nahm, hat er in seiner Leidensunfähigkeit bewahrt und gerettet. Überhaupt sind die Großtaten des Heilandes, [S. 673] die er in seiner Menschwerdung vollbrachte, derart und so groß, daß man beim Versuch, sie aufzuzählen, denen gliche, die auf das unermeßlich weite Meer hinausschauen und dessen Wogen zählen wollen. Denn wie man mit dem Auge nicht alle Wellen erreichen kann, da immer neue folgen, die dem zählenden Auge entschwinden, so wäre es auch dem, der alle Großtaten Christi, die er im Leibe vollbracht hat, zusammenfassen wollte, unmöglich, sie in ihrer Gesamtheit auch nur in seinem Geiste aufzunehmen, weil mehr noch seiner Beobachtung entgeht, als was er erfaßt zu haben glaubt. Es empfiehlt sich darum mehr, nicht auf alles zu sprechen zu kommen, wovon man ja doch nicht einmal einen Teil vollständig behandeln kann, vielmehr nur noch an einen Punkt zu erinnern und das Allgemeine dir zur Bewunderung anheimzustellen. Alles ist ja gleich wunderbar, und wohin man schauen mag, man gewahrt die Gottheit des Logos und wird ganz überrascht.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger